Die Gretchen-Frage: Pools und FinTechs

| Berater | Top News von Robert Krüger Kassissa

Illustration zu Goethe, Faust I, Szene: Straße; Gustav Schlick [Public domain], via Wikimedia Commons

„Nun sag, wie hast du’s mit den FinTechs?“ Der ambivalente Umgang der Maklerpools mit den FinTechs beschäftigt die Makler in den sozialen Medien.

Ein Beitrag von blau-direkt-Chef Oliver Pradetto bei „Das Investment“ war der Auslöser. Die ersten Erfolge der sogenannten FinTechs, die in Wahrheit oftmals nichts anderes als Online-Makler sind, die klassischen Maklern nur Verträge abgreifen, aber nicht unbedingt weiteren Mehrwert bieten, bereiten Anlass zur Sorge. So verklagt BVK nicht nur Check24, sondern nach Angaben in dem Pradetto-Beitrag auch die Firma Moneymeets, weil diese mit Provisionsweitergabe aufwarten. Moneymeets habe zwar erst 6.000 Kunden, aber die Branche fürchtet einen Dammbruch.

Makler haben aber Moneymeets aber nicht nur wegen der Provisionsabgabe auf dem Kieker. Harald Banditt, Versicherungsmakler aus Hoppegarten-Hönow, mahnte, unterstützt von IGVM, das Unternehmen ab, weil es eine Ausnahme im Versicherungsvertragsgesetz (Paragraf 61), nämlich Verzicht auf Beratung, zum Geschäftsmodell hat. Ende August kam es zur mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Köln. „In der anderthalb Stunden dauernden Verhandlung ließ der Richter keinen Zweifel daran, dass er den Beratungs- und Haftungsverzicht per AGB als unzulässig ansieht“, schreibt portfolio International über diesen Fall. Bis dato ist noch kein Urteil gesprochen, aber Moneymeets hat schon erste Änderungen an seinem Internetauftritt vorgenommen.

Die Maklerbranche wehrt sich derzeit juristisch gegen die „Eindringlinge" während diese an Kunden hinzugewinnen. Alles in allem hätten die Marktneulinge rund 200.000 Kunden. „Das riecht nach Revolution! Das riecht nach dem Anfang vom Ende des klassischen Vermittler“, schreibt Pradetto.

Besonders innovativ sind die neuen Anbieter aber nach Pradetto nicht. „Viel mehr als eine knackige App haben die Neuen nämlich nicht“, so Pradetto. Führende FinTechs haben 120 Mitarbeiter, die aber gerade einmal ausreichen, um die in der App erfassten Verträge vom Versicherer zu übertragen.

Pools doppelzüngig

Jung DMS & Cie., BCA, Fonds Finanz, PMA und auch blau direkt – alle diese Pools mischen beim FinTech-Geschäft mit und arbeiten mit diesen Unternehmen zusammen. blau direkt wickelt nicht nur die Bestände der FinTechs ab, sondern versorgt viele sogar mit Software und BackOffice-Dienstleistungen. Als procontra vor einigen Wochen zum aktuellen Titelthema „Der Kunde ist König“ recherchierte, wurden natürlich auch einige der oben genannten Pools mit der Frage nach der Zusammenarbeit mit FinTechs konfrontiert. Die erste Reaktion war oft bezeichnend: Fast empört wiesen einige Pools jegliche Kooperation mit solchen „Nestbeschmutzern“ zurück. Erst auf erneuter Nachfrage und mit dem Beleg Gegenteiliges hieß es dann, ja, ok, die Anbindung ist vorhanden, aber der Umsatz ist noch sehr überschaubar.

Versicherer nehmen FinTech-Umsatz mit

Gleiches Bild bei den Versicherern. „Während ein Versicherungs-Vorstand die FinTech-Szene mit den Worten, ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte’ kommentiert, packt der nächste bereits die Millionen aus, um sich an der Finanzierung eines neuen Startups zu beteiligen“, so Pradetto in seinem Das Investment-Beitrag. Dies ist auch der Eindruck einiger Makler bei Facebook zu diesem Thema. So berichten einige von der AKS-Sommertour von Franke und Bornberg, bei der procontra Medienpartner war. Auch hier hätten sich die Vertreter der Versicherer klar von den FinTechs distanziert und erst als die Makler kritische Nachfragen stellten, hieß es, dass man sich gegen den Umsatz, der von dort kommt, nicht erwehrt.

Pools sind gestorben

Pradetto kann der Diskussion um die FinTechs sogar was Positives abgewinnen. Denn wenn FinTechs klassischen Maklern Kunden wegnehmen, dann haben sich die Makler um diese Kunden nicht ausreichend gekümmert. „Insofern leisten FinTechs vielleicht sogar einen Beitrag zur Qualitätssteigerung in der Branche“. Diese Einschätzung trifft unter Maklern auf Facebook nicht auf uneingeschränkte Gegenliebe. Einige Makler wollen sogar die Zusammenarbeit mit Pools beenden, wenn sie wissen, dass diese mit FinTechs zusammenarbeiten. Bleibt nur die Frage, ob jeder Makler so umfassend und transparent über das „Geschäftsgebaren“ seiner Pools informiert ist, um diesbezüglich eine sichere Entscheidung treffen zu können. Denn die Transparenz bei Pools ist bekanntlich verbesserungswürdig.

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