„Der Vertrieb muss übers Internet funktionieren“

| Beteiligungen & Sachwerte von Robert Krüger Kassissa

Foto: Dr. Torsten Teichert

Lloyd-Fonds-Chef Torsten Teichert über die Altersstruktur der Kunden in der Beteiligungsbranche, Digitalisierungsprozesse und die Frage, warum sich in der Schifffahrtsbranche angesichts der Krise so wenig tut.

procontra: Was waren die wesentlichen Gründe für das positive Ergebnis der Lloyd Fonds AG im ersten Halbjahr 2015?

Dr. Torsten Teichert: Das positive Ergebnis basiert zum einen darauf, dass alle laufenden Kosten durch die Einnahmen des Bestandsgeschäftes gedeckt werden. Dies ist das Ergebnis eines strukturellen Anpassungsprozesses im Unternehmen, den wir in den letzten Jahren erfolgreich gegangen sind. Mit den Einnahmen aus dem Bestandsmanagement erreichen wir eine schwarze Null. Unsere Projektarbeit im Neugeschäft entscheidet dann über ein positives Ergebnis. Wir haben zwei Projekte im Bereich Immobilien mit institutionellen Investoren gemacht. Ein Auszubildendenwohnheim in Hamburg und die Refinanzierung eines internationalen Hotelportfolios.

procontra: Verliert das Privatkundengeschäft also weiter an Bedeutung?

Teichert: Es ist schwer zu sagen. Im Moment muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Privatanleger extrem verunsichert sind. Und wenn über Sachwerte als Fonds geredet wird, dann eigentlich über Immobilien. Flugzeuge tun sich sehr schwer, Schiffe gehen gar nicht, und Energie ist ja auch alles andere als erfolgreich. Insgesamt bewegt sich der Retailmarkt also auf extrem niedrigem Niveau. Und das wird, so fürchte ich, auch noch einige Zeit so bleiben.

procontra: In Ihrer Pressemitteilung zur positiven Halbjahresbilanz wird hervorgehoben, dass über 50 Prozent Ihrer Kunden jünger als 65 Jahre sind. Warum ist das so erwähnenswert und ist die Altersstruktur der Kunden in der Beteiligungsbranche ein Problem?

Teichert: Das Interessante daran ist, dass wir vor kurzem noch gesagt hätten: Unsere Kunden sind zu alt. Ich glaube, die Perspektive hat sich inzwischen geändert. Heute stellen wir ja fest, dass die Menschen  immer älter werden. Früher ging man eher davon aus, dass die Menschen mit 65 Jahren keine neuen Investments mehr machen. Heute haben viele von ihnen vielleicht noch 20 oder mehr Jahre vor sich. Das ist eine zu lange Zeit, um nur die Früchte der Vergangenheit zu ernten. Insofern wollten wir eigentlich nur auf Folgendes hinweisen: Ja, es ist richtig, dass wir uns mit neuen Vertriebswegen auch an jüngere Menschen wenden müssen. Aber dabei sollten wir unsere jetzigen Kunden nicht aus dem Auge verlieren.

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