BVK: Keine Angst vor GetSafe, Knip, Clark und Co.

Berater Top News von Anna Gentrup

Was hält Michael Heinz, Versicherungsmakler und Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), eigentlich von Start-ups wie GetSafe, Knip oder Clark. procontra sprach mit ihm darüber.

Exklusiv: Michael Heinz (BVK) über Start-ups. Bild: Michael Heinz auf dem Norddeutschen Versicherungstag 2015

procontra: Was halten Sie von den jungen Onlinemaklern, die den Versicherungsvertrieb mit Apps und digitalen Ordnern revolutionieren wollen?

Michael Heinz: Mir macht es keine Angst, wenn Menschen, die aus der Digitalisierungswelt kommen, plötzlich das Geschäftsfeld Versicherung für sich entdecken. Wer gestern noch über Ebay Schuhe verkauft hat und jetzt meint, er kann Versicherungskompetenz vorweisen, bereitet mir keine Sorgen. Ich hätte mehr Bedenken bei neuen Konkurrenten, die aus der Versicherungswelt kommen und sich dann digitalisieren, denn die sind fachkundig.

procontra: Die Onlinemakler wollen das Thema Versicherung einfacher machen: kein lästiger Papierkram, deutlich weniger Zeitaufwand. Glauben Sie, dass die Kunden bei den Online-Diensten gut aufgehoben sind?

Heinz: Das sind Unternehmen, die von der Rechtsform her makeln wie ich auch, dem Kunden aber sagen: Wir machen alles in der elektronischen Welt. Am Ende des Tages freut sich der Kunde, wenn er als Zusatz zur Digitalisierung den persönlichen Kontakt hat. Ich denke, das werden Ergänzungen, vielleicht auch Bereicherungen unseres Berufsstandes. Es sind aber keine Revolutionen, und sie ersetzen in vielen Fällen nicht die Kompetenz und Beratungsintensität des stationären Vertriebes.

procontra: Beunruhigen Knip, GetSafe und Co. konventionelle Makler und Vertreter also gar nicht?

Heinz: Nein, im Moment werden sie nicht nervös. Das liegt zum Teil daran, dass 95 Prozent der Vertriebslandschaft noch nicht weiß, was da passiert. Als Verbandspräsident sage ich aber deutlich: einfach Ruhe bewahren. Wir wissen auch ohne die Damen und Herren Onlinemakler, dass sich die Welt immer mehr digitalisiert, dass wir unter Kostendruck stehen, dass wir schneller und rationeller abwickeln müssen. Dazu brauchen wir die nicht.

procontra: Sind die Onlinemakler denn überhaupt eine Gefahr für konventionelle Vermittler?

Heinz: Es gibt Kunden, die haben eine gewisse Internetaffinität. Ob sie die nun über einen Internetmakler oder über Vergleichsportale bedienen, ist letzten Endes egal. Das ist ein weiterer Teil eines sich verändernden Wettbewerbs. Der Kunde muss sehen, ob die Internetmakler für ihn die richtige Wahl sind. Das zeigt sich leider immer erst, wenn Beratungsbedarf besteht, und der wird von den Start-ups bewusst nicht stationär und persönlich angeboten.

Das ausführliche Interview mit weiteren Details auch zur Klage des BVK gegen Check24 finden Sie in der kommenden Ausgabe der procontra, die am 16. Oktober erscheint.

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