Versicherer vor neuer Fusionswelle?

Versicherungen von Christian Hilmes

Die weltweite Konsolidierungswelle in der Versicherungsbranche könnte schon bald nach Europa überschwappen. Einen Vorboten dieser Entwicklung sieht jetzt die US-Nachrichtenagentur Bloomberg.

Foto: Rafting, © mur162

Nachdem unter anderem die Aviva Plc den kleineren Rivalen Friends Life Group Ltd. Erwarb, gibt es nun einen aktuellen Anlass für die Bloomberg-Prognose: die mögliche Übernahme des Londoner Sach- und Kfz-Versicherers RSA Insurance Group Plc durch die Zurich Insurance Group AG.

Seit Jahresanfang wurden weltweit Versicherer im Wert von ungerechnet 58,7 Milliarden Euro übernommen, rechnet Bloomberg vor. Das sei mehr als doppelt so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Und aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen dürfe sich dieser Tend fortsetzen.

Aber nicht nur weil die Kapitalerträge aus Anleihen sinken, stünden die Margen der Versicherungskonzerne unter Druck. Auch der verschärfte Wettbewerb mit branchenfremden Akteuren, wie zum Beispiel den sogenannten Fintechs, bedroht die Gewinnaussichten.

Fusion verringert die Kosten
Um die eigene Marktstellung zu festigen und die Kosten zu senken, sei ein Zusammenschluss die typische Antwort der Firmenlenker. Bloomberg zitiert Zurich-CEO Martin Senn zum Beispiel damit, dass eine Transaktion mit RSA „erhebliche Vorteile mit sich bringen“ könne.

Diesem Trend dürften demnach bald auch mehr und mehr europäische Assekuranz-Größen folgen, die ebenfalls einem Konsolidierungsdruck ausgesetzt seien: „Daher könnten auch andere wie Allianz SE und Axa SA in die Fußstapfen von Zurich treten und größere Transaktionen verfolgen.“

Dementi von Allianz und Axa
Die beiden größten Versicherer in Europa haben zwar bereits auf die Bloomberg-Spekulationen reagiert und erklärt, dass sie an großen Transaktionen derzeit nicht interessiert seien. Doch laut Branchenanalysten dürfe das Beispiel Zurich viele europäische Mitbewerber ins Grübeln bringen.

„Es gibt in Europa definitiv Spielraum für Transaktionen in einem ähnlichen Umfang oder sogar noch größere“, zitiert Bloomberg Sam Evans, Leiter des Beratungsgeschäfts für Transaktionen unter Versicherern bei KPMG in London. „Es wird erwartet, dass es noch viel mehr Aktivität geben wird.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare