„Korrektur, nicht Start eines Bärenmarkts“

| Investmentfonds von Christian Hilmes

Foto: Carsten Roemheld, Fidelity Worldwide Investment

Mit Wucht schlägt die Krise in China auch auf den deutschen Aktienmarkt durch. Warum das globale Umfeld dennoch weiter für Aktien spreche, erklärt Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment.

„Deutsche Hersteller sind die größten ausländischen Anbieter im chinesischen Markt. Im Vergleich zum europäischen Absatzmarkt erzielen die Deutschen hier drei bis vier Mal so hohe Margen – jedenfalls bisher“, erklärt Niall Gallagher, Fondsmanager des GAM Star European Equity (WKN 988538). Aufgrund der jüngsten Entwicklungen würden die Margen von Volkswagen und BMW „signifikant fallen“.

Aus der Autobranche wolle er sich aber auch nicht ganz verabschieden. Allerdings bevorzugt er bei seinen Investitionen Zulieferer wie den Reifenhersteller Continental. Denn auf deren Erträge wirke sich eine geografische Verschiebung der Nachfrage nicht so stark aus, die sich aus der Schwäche der Wirtschaft im Reich der Mitte und dem gleichzeitig wieder anziehenden Wachstum in Europa ergebe.

Deutsche Aktien stärker abgestraft
Grundsätzlich positiv gestimmt gegenüber dem deutschen Aktienmarkt, der in den vergangenen drei Monaten stärker abgestraft worden sei als der europäische Gesamtmarkt, ist auch Fidelity-Experte Roemheld: „Die heimischen Aktien sind in meinen Augen nun überverkauft.“ Hinsichtlich ihres Kurs-Gewinn-Verhältnisses liege der Dax unter dem europäischen Durchschnitt. „Das ist nicht gerechtfertigt.“

Man dürfe nicht vergessen, dass maximal 15 Prozent der Erträge deutscher Unternehmen aus China kämen. Zudem litten nicht alle Exportgüter gleich stark unter einer Wachstumsabkühlung. Roemheld: „Insgesamt gehe ich davon aus, dass die Gewinne deutscher Unternehmen in diesem Jahr um 7 bis 10 Prozent steigen werden.“ Die meisten Unternehmen hätten mit ihren Ausblicken zuletzt positiv überrascht.

Weltweite Rezession nicht in Sicht
Verantwortlich für den Kurssturz an Chinas Börsen macht Roemheld neben den Zeichen für eine Wachstumsabkühlung in dem während des vergangenen Jahrzehnts rasant gewachsenenen Schwellenlands auch den nachlassenden Reformeifer der dortigen Regierung: Der Umbau der Staatsbetriebe, Privatisierung und Wettbewerb stocken. Stattdessen kommt es zu einer Konsolidierung von Wirtschaftszweigen.

Um die Weltwirtschaft in eine Negativspirale zu reißen, sei das alles aber nicht geeignet: „Die Schwankungen an den Aktienmärkten dürften zwar zunehmen“, erklärt der Fidelity-Volkswirt. Doch: „Unternehmensdaten und globales Umfeld sprechen weiter für Aktien.“ Denn solange die US-Wirtschaft stabil bleibe, werde die Welt nicht in eine Rezession rutschen. „Was wir sehen, ist eine Korrektur und nicht der Start eines Bärenmarkts. 

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