„Ich würde keinen BRIC-Fonds kaufen“

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Foto: Thomas Gerhardt, Deutschland-CEO von Edmond de Rothschild Asset Management

Thomas Gerhardt, Schwellenländerexperte und Deutschland-CEO von Edmond de Rothschild Asset Management, spricht über die Folgen der chinesischen Wachstumsschwäche für andere Emerging Markets und darüber, warum er heute nicht mehr in BRIC-Fonds investieren würde.

procontra: Jahrelang hat Chinas Wirtschaftswachstum auf andere Schwellenländer abgestrahlt. Wird das Land nun vom Wachstumstreiber zum Wachstumsrisiko für die Emerging Markets?

Thomas Gerhardt: Was zurzeit in China passiert, hat man bereits in anderen Ländern gesehen, zum Beispiel in Japan. Die Industrialisierung einer Nation dieser Größe verläuft nicht linear. Es war abzusehen, dass sich das Wirtschaftswachstum irgendwann vorübergehend abschwächen würde. Die Frage ist, wie heftig die Abschwächung ausfallen wird.

procontra: Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Gerhardt: Mittelfristig werden wir keine signifikante Erholung sehen. Trotzdem sind die Sorgen über Chinas Wachstum bizarr. Wir sprechen ja nicht davon, dass die chinesische Wirtschaft nun überhaupt nicht mehr wächst. Im Gegenteil: Sie wächst noch immer stärker als viele andere Volkswirtschaften. Riskant für andere Schwellenländer würde es nur, wenn China in einen Währungsabwertungswettbewerb einträte. So weit wird es aber nicht kommen.

procontra: China schwächelt, in Brasilien und Russland sieht es deutlich schlechter aus. Können Berater ihren Kunden noch guten Gewissens BRIC-Fonds empfehlen?

Gerhardt: BRIC-Fonds waren in einer bestimmten Zeitspanne für Anleger sehr interessant. Das hat sich geändert. Ich würde heute als Anleger keinen BRIC-Fonds mehr kaufen. Erstens ist es mittlerweile vielversprechender, breit in Emerging Markets zu investieren. Zweitens bin ich bei Brasilien, Russland und China – also drei der vier enthaltenen Länder – vorsichtig.

procontra: Wie sieht es mit Indien aus?

Gerhardt: Indien ist für Anleger ein sehr interessanter Markt, der langfristig ein enormes Wachstumspotenzial hat. Das Land steht heute dort, wo China vor zehn Jahren stand – und es bietet deutlich mehr gut gemanagte, privatwirtschaftliche Unternehmen. Die Mühlen in Indien mahlen allerdings langsam. Die meisten Anleger erwarten zu schnell zu viel und werden deshalb enttäuscht. Aus diesem Grund sieht man am indischen Aktienmarkt auch immer wieder kurzzeitige Korrekturen.

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