„Wir wollen keine vordiskontierten Provisionen“

| Berater | Top News von Matthias Hundt

Hat schon Wimdu aus dem Boden gestampft: Clark-Gründer Christopher Oster (li). Dr. Mark Ortmann verkaufte die Hälfte der Anteile am ITA-Institut an den FinTech-Inkubator FinLeap und fungiert dort nun als Venture Partner im Bereich Versicherungen. Foto: Laura Nowotnick

Mit Clark betritt eine neue Makler-Form den Markt. Effizient und digital will man die Generation Y erreichen. Der Gründer Christopher Oster und Venture Partner bei FinLeap sowie Mitgründer Mark Ortmann über Provisionen und den digitalen (Rück-)Stand der Versicherungsbranche.

procontra: Clark betritt den Maklermarkt und damit einen, der unter Regularien und einem sinkenden Provisionsniveau leidet. Probleme, mit denen Sie sich auch auseinandersetzen müssen.

Ortmann: Das stimmt. Allerdings bleibt der Markt elementar. Jeder braucht Versicherungen. Jeder braucht Altersvorsorge, das ist auch keine Neuigkeit. Dass sich vor allem der junge Kunde fast ausschließlich digital bewegt, ist auch nicht neu. Die beschriebenen Probleme wiegen aber schwer, weil der Versicherungsmarkt technologisch um Jahre hinterherhinkt. Die Herausforderung für Versicherer und Makler ist es heute, kundengerecht zu kommunizieren.

procontra: Kann dieser Rückstand aufgeholt werden?

Ortmann:
Absolut. In dieser Umbruchphase steckt für jeden Makler und Vermittler auch eine Chance. Die Frage ist nur, ob er diese ergreift oder weiter jammern will. Und da wird es Makler geben, die mit der Zeit gehen und sich anpassen und andere, die auf der Strecke bleiben.

Dr. Christopher Oster ist Mitgründer und Geschäftsführer des digitalen Versicherungsmaklers Clark. Nach erfolgreicher Mitgründung der Online-Zimmervermittlung Wimdu macht er jetzt Versicherungen einfacher, verständlich und transparent.

procontra: Clark lebt ebenfalls von Provisionen. Wie zeitgemäß ist diese Abhängigkeit noch?

Ortmann: Bei einem Provisionsmodell wird es diese Abhängigkeit immer geben. Das ist per se auch nicht schlecht und immer noch das massentauglichste Modell. Unser Ansatz will die Incentivierung durch hohe Abschlussprovisionen vermeiden. Dazu lassen wir uns von den Gesellschaften auch nur ratierliche Abschlussprovisionen auszahlen. Wir wollen keine vordiskontierten Provisionen.

procontra:
Wie viele Gesellschaften bieten das an?
 
Ortmann: Fast alle mit denen wir gesprochen haben.

Oster: Wir verdienen natürlich an den Abschlüssen und Bestandsvergütungen. Ich denke, das ist auch für den Kunden das beste Modell. Durch die schlanken und digitalen Prozesse können wir wesentlich effizienter arbeiten als der klassische Makler und dadurch in der Wertschöpfungskette Geld sparen. Diesen Vorteil würden wir gern teilweise an den Kunden weiterreichen. Das ist aber noch nicht möglich.

procontra: Sie sprechen von der Weitergabe ihrer Provisionen. Machen Sie das doch, Verstöße gegen das Verbot ahndet die BaFin doch ohnehin nicht.

Ortmann:
Das stimmt, aber das Provisionsabgabeverbot hat immer noch Bestand, auch wenn es sich in einer Art Schwebezustand befindet. Wir haben auch darüber diskutiert, uns dann aber entschieden, die Regelung des Gesetzgebers, die hoffentlich bald kommen wird, abzuwarten.

procontra: Befürworter des Provisionsabgabeverbots warnen vor einer Art „Basar“, wenn der Kunde nur noch da abschließt, wo er meisten erstattet bekommt.

Ortmann: Das glaube ich nicht. Ich denke eher, dass sich dadurch das gesamte Provisionsniveau und die hohen Sätze in einigen Bereichen nivellieren. Es würde einfach einen neuen, aber ganz normalen Wettbewerb geben. Unabhängig der Entscheidung um dieses Verbot, sollten zukunftsorientierte Makler die Chancen der Veränderung erkennen und ergreifen. Das lenkt im Grunde auch davon ab, um wen es eigentlich geht, nämlich um den Kunden. Der hat sich verändert, darauf müssen sich Makler mehr und schneller einstellen.

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