pro & contra: BU-Schutz per Gesetz?

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contra von Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg

Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird offenbar vom BdV immer noch als die einzige Möglichkeit zur Absicherung der Arbeitskraft gesehen, obwohl längst praktikable Lösungen mit Reichweitenpotential entwickelt wurden.

Die Berufsunfähigkeits-versicherung (BU) federt wirtschaftliche Risiken ab, wenn krankheitsbedingt der eigene Beruf oder vergleichbare Berufe zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausgeübt werden können. Die BU mit Verzicht auf abstrakte Verweisbarkeit, die heute üblich ist, geht sogar noch weiter und bezieht sich auf das spezifische Tätigkeitsprofil der Versicherten. Es handelt sich also um einen in hohem Maße individuellen Schutz. Ohne Zweifel ist die BU der Königsweg zur Absicherung der Arbeitskraft. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass es nicht die Aufgabe staatlicher Sicherungssysteme sein kann, individuelle Wünsche nach ganz bestimmten Tätigkeiten abzusichern. Für eine Sozialgemeinschaft kann es nur zweckmäßig sein, die Fähigkeit abzusichern, Erwerbseinkommen zu erzielen.

Also war es folgerichtig, den gesetzlichen Schutz im Jahr 2001 auf die Absicherung genau dieser Fähigkeit abzustellen. Selbstverständlich haben auch die Kosten des vorherigen gesetzlichen BU-Schutzes zu diesem Schritt gezwungen. Der Kostendruck hat in den letzten Jahren durch die Entwicklung der psychischen Erkrankungen als BU-Ursache übrigens weiter zugenommen. Dadurch wird selbst die gesetzliche Erwerbsminderungsrente stärker belastet. Die aktuellen Zahlen zeigen darüber hinaus, dass der gesetzliche Schutz weit besser ist als sein Ruf. Mit über 180.000 neuen EMI-Renten per anno und einer siebenstelligen Fallzahl an medizinischen und beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen wird hier in der Breite geleistet. Wobei die Höhe der Leistungen keineswegs ausreicht, um vor dem sozialen Abstieg gefeit zu sein.

Spürbarer Anstieg der Sozialabgaben
Nicht nur die hohen Kosten des BU-Schutzes halten Verbraucher von einem Abschluss ab, sondern auch die eigene Absicherungsmentalität. Für viele Erwerbstätige ist es kein Problem, im Krankheitsfall auf andere, noch mögliche Tätigkeiten umzusteigen. Ein gesetzlicher BU-Schutz brächte daher einen spürbaren Anstieg der Sozialabgaben mit sich, der auch solche Verbraucher belasten, die hinsichtlich ihrer eigenen Tätigkeit flexibel sind.

Gute Produktlösungen existieren bereits für die private und betriebliche Sphäre. Die eigentliche Aufgabe der Versicherungsbranche und der Sozialsysteme besteht darin, Erwerbstätigen, die gesundheitsbedingt ihren Beruf nicht mehr ausüben können, eine neue Perspektive zu geben. Also die Wiedererlangung der Gesundheit zu managen und in Zusammenarbeit mit Betrieben konkrete Arbeitsplätze zu organisieren, statt abstrakt auf andere Berufe oder den Arbeitsmarkt zu verweisen.

Eine Rückkehr zu einem kaum finanzierbaren, alle Erwerbstätigen belastenden System kann keine Lösung sein. Es ist keineswegs so, dass diese Fakten dem BdV fremd sind. Umso mehr steht eine Bewährungsprobe für den Verbraucherschutz an. Will man an funktionierenden und sozial gerechten Lösungen arbeiten oder lieber seinen persönlichen Disput mit der Branche pflegen.

Foto im Text: Michael Franke, © Franke & Bornberg

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