pro & contra: BU-Schutz per Gesetz?

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Ein BU-Schutz ist unverzichtbar, da sind sie sich einig. Einen gesetzlichen Berufsunfähigkeits-Grundschutz für jedermann fordern daher BdV und VZ NRW. Aber eine Rückkehr zu einem staatlichen System kann keine Lösung sein, entgegnet Michael Franke.

pro von Axel Kleinlein, Vorstandssprecher Bund der Versicherten (BdV):

Klare Einstimmigkeit bei Verbraucherschutz und Versicherungslobby: Eine Absicherung der Berufsunfähigkeit (BU) ist wichtig und so ziemlich jeder sollte sie haben. Wie man das aber erreichen kann, da gehen die Vorstellungen weit auseinander.

Das Problem: Zu wenige Personen finden Zugang zu einem passenden BU- Versicherungsschutz, noch weniger haben bereits einen Vertrag und fast selten bekommen die Versicherten im Falle einer BU auch tatsächlich eine angemessene Leistung.

Krieg der Zahlen
Hier greifen jetzt sofort die klassischen Reflexe eines Streits zwischen Verbraucherschutz  und Versicherungslobby. Nun beginnt der Krieg der Zahlen. Da soll mit Statistiken dargelegt werden, dass dieses Problem in diesem Ausmaß gar nicht bestünde. Die Statistiken sind unzureichend und geben kein klares Bild von der Situation. Deshalb sind wir erst einmal auf Stichproben angewiesen, um überhaupt ein Bild von der wahren Situation zu bekommen. Und die Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist alarmierend. Der GDV hält trotzdem seine eigenen Statistiken dagegen auch wenn das Zahlenwerk eher irreführend ist.

Ein Beispiel: Wenn der GDV behauptet, dass nur sechs Prozent aller BU-Anträge abgelehnt werden, dann klingt das so, als würden die Versicherer nur in geringem Maße aussortieren. Nur welche Arten von Verträgen werden hier betrachtet? Ein großer Teil aller BU-Abschlüsse sind Zusatzversicherungen, die ausschließlich die Prämienzahlung der Hauptversicherung absichern. Das sind also Mini-BU-Versicherungen mit sehr geringem Risiko. Die werden von den Versicherern natürlich nicht abgelehnt, weil ansonsten die sehr lukrative Hauptversicherung auch nicht abgeschlossen würde. Das heißt aber nicht, dass der gleiche Kunde eine „echte“ BU-Versicherung abschließen könnte. Dieser Effekt verzerrt die Statistik.

Abwürgen der Diskussion
Auch verzichten viele Kunden auf der Suche nach einer BU-Absicherung auf einen „echten“ Antrag, da sie befürchten, wegen Vorerkrankungen keinen Vertrag zu bekommen. Sie stellen stattdessen eine anonyme Voranfrage. Wird die dann abgelehnt steht der Kunde immer noch ohne Absicherung da, er geht aber nicht in die Statistik ein.

Solange wir es erleben müssen, dass mit dem Statistik-Reflex eine ernsthafte Diskussion abgewürgt wird, solange werden wir keine Lösung bekommen. Die ist aber dringend notwendig, auch wenn die Politik so tut, als gäbe es keinen Handlungsbedarf. Wir brauchen stattdessen eine offene Diskussion. Unterschiedliche Ansätze sind vorstellbar: Eine Rückkehr zu einer staatlichen Absicherung unter dem Dach der Deutschen Rentenversicherung. Vielleicht auch eine Konsortiallösung im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge. Oder vielleicht auch ein anderer Weg?

Foto im Text: Axel Kleinlein, © BdV

Seite 1 - Kleinlein: Rückkehr zur staatlichen Absicherung
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