„Defensive Mischfonds würde ich nicht mehr kaufen“

Investmentfonds Investment-Talk von Julia Groth

Richard Zellmann, Geschäftsführer der Investmentboutique First Private, spricht über die Probleme der bei Anlegern so beliebten Mischfonds und darüber, was Berater heute leisten müssen.

procontra: Mischfonds waren im ersten Quartal 2015 aufs Neue der Verkaufsschlager der Investmentbranche. Warum haben die Produkte seit einiger Zeit so großen Erfolg?

Richard Zellmann: Einerseits suchen Anleger wegen der niedrigen Zinsen nach Alternativen zu Anleihen. Andererseits liebäugeln sie verstärkt mit Aktien, trauen sich aber nicht an reine Aktienfonds heran. Da liegt ein Investment in defensive Mischfonds nahe.

procontra: Warum haben Rentenfonds zuletzt ebenfalls hohe Zuflüsse verzeichnet?

Zellmann: Der anhaltende Trend zu Rentenfonds zeigt, dass Investoren stark auf die Performance der vergangenen Zeit schauen. In den vergangenen Jahren war es für Rentenfondsmanager einfach, Rendite zu erzielen. Das wird sich ändern, sobald die Zinsen wieder steigen. Performancedaten aus der Vergangenheit werden dann kein guter Indikator für die Güte eines Fonds mehr sein.

procontra: Anhand welcher Kriterien soll man die Güte eines Fonds sonst beurteilen?

Zellmann: Man sollte nicht nur darauf achten, wie hoch die Performance ausgefallen ist, sondern auch darauf, woher sie kam. Anleihen beispielsweise werden bald kein gutes Investment mehr sein. Einen Mischfonds mit hohem Rentenanteil würde ich deshalb heute nicht mehr kaufen, und einen reinen Rentenfonds schon gar nicht.

procontra: Zu welchen Produkten raten Sie konservativen Anlegern stattdessen?

Zellmann: Ein defensives Investment muss heute immer auch einen Teil Aktien enthalten. Mit rund 20 Prozent Aktien liegen selbst risikoscheue Anleger nicht falsch. Falls man daneben in Anleihen investiert, muss man die Zinsrisiken begrenzen. Die Laufzeiten von Anleihen müssen heute deutlich kürzer sein als noch vor einigen Jahren. Darüber hinaus kommt man heute ohne derivative Strategien, mit denen man auch auf fallende Märkte setzen kann, nicht mehr aus.

procontra: Ein geringer Anleihen-Anteil, stattdessen Derivate – früher hat man vorsichtigen Anlegern exakt das Gegenteil geraten.

Zellmann: Stimmt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Das heißt auch: Anlageberater müssen heute mehr Sachkenntnis haben als früher und sich mit komplexen Anlagestrategien auskennen. Guter Rat ist für Anleger heute wichtiger denn je.

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Foto: First Private

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