Anleger flüchten in physisches Gold

Sachwerte von Rainer Kreuzer

Griechenland-Krise, Euro-Schwäche und globale Konflikte verunsichern zunehmend die Anleger. Obwohl der Goldkurs an der Londoner Börse weiter fällt, steigt in Deutschland wieder die Nachfrage nach echten Münzen und Barren.

Seit rund einem Jahr erfreuen sich die Goldhändler wieder einer rasant zunehmenden Kundschaft. Nach der aktuellen Statistik des Londoner World Gold Councils haben die deutschen Anleger zwischen Ende Juni 2014 und Ende März 2015 ihre Nachfrage nach Goldbarren und -münzen um über 50 Prozent, von 19,5 auf 32,2 Tonnen, gesteigert.

Deutschlands größter Goldhändler Degussa konnte in den ersten fünf Monaten dieses Jahres Umsatzzuwächse zwischen 30 und 50 Prozent gegenüber den jeweiligen Monaten des Vorjahres verzeichnen. Das erhebliche Plus führt die Degussa auf die derzeitige Verunsicherung der Anleger hinsichtlich der Lage auf den Finanzmärkten zurück.

„Die beliebtesten Produkte deutscher Anleger sind die klassischen Krügerrand Goldmünzen sowie die Ein-Unze, 100 und 250 Gramm Goldbarren“, heißt es in der aktuellen Degussa-Mitteilung. Viele Kunden sähen den Kauf von Gold auch als Alternative zum Halten von Bargeld.

Keine Gold-Rally an der Börse
Doch ganz anders sieht die Welt an der Börse aus. Dort ist von einer Gold-Rally weit und breit nichts in Sicht. Trotz Ukraine-Konflikt, Islamischer Staat und drohendem Grexit hat der Spotpreis des Goldes in US-Dollar innerhalb der vergangenen zwölf Monate rund acht Prozent verloren. Auch seit Antritt der Syriza-Regierung in Athen verlor das Edelmetall weiter an Wert, obwohl die Euro-Zone damit unter Druck geriet.

Diese geteilten Welten der Goldpreise erklärt das World Gold Council damit, dass der Börsenkurs stark überproportional durch die spekulativen Käufe und Verkäufe der Exchange Traded Funds (ETF) bestimmt werde, während der physische Handel mit Goldbarren und -münzen am Ladentisch nur sehr indirekt auf den Spotpreis einwirke.

Foto: © Alexander Goldberg

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