„Solva-Quoten anfangs nicht überbewerten“

Berater Top News von Matthias Hundt

Seit 2016 gilt Solvency II für die Versicherer. Dr. Guido Bader, Vorstand Mathematik und Leben der Stuttgarter Lebensversicherung a.G., erklärt procontra, in wiefern alte und neue Solvabilitätsquoten miteinander vergleichbar sind.

In wiefern alte und neue Solvabilitätsquoten vergleichbar sind, erklärt Dr. Guido Bader, Vorstand Mathematik und Leben der Stuttgarter Lebensversicherung.

In wiefern alte und neue Solvabilitätsquoten vergleichbar sind, erklärt Dr. Guido Bader, Vorstand Mathematik und Leben der Stuttgarter Lebensversicherung. Foto: Stuttgarter

procontra: Seit 2016 gilt Solvency II für die Versicherer. Was hat sich konkret für die Lebensversicherer geändert?  

Dr. Guido Bader: Durch Solvency II wurde eine zur HGB-Bilanz zusätzliche Bilanzierungsmethode eingeführt. Diese sogenannte Solvabilitätsübersicht stellt im weitesten Sinne eine Marktwertbilanz dar, in der alle Vermögenswerte und Schulden so marktnah wie möglich dargestellt werden sollen. Das soll einen realistischeren Blick auf die Solvabilität erlauben als unter Solvency I. Die Unternehmen werden künftig die relevanten Zahlen im SFCR, dem Solvency and Financial Condition Report, ergänzend zum Geschäftsbericht ausweisen.  

procontra: Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis durch Solvency II?  

Bader: So sehr viel hat sich für die Unternehmen gar nicht geändert, was sie vorher nicht auch schon wussten. Das Hauptproblem ist nicht Solvency, sondern die niedrigen Zinsen. Diese und vor allem die Probleme, die die Unternehmen damit haben, werden durch Solvency II jetzt noch etwas transparenter. Dargestellt unter anderem in einer deutlich volatileren Solvabilitätsquote, die die alte, stabile Quote ersetzt.

procontra: Ende Juni lag diese neue Quote laut BaFin-Bericht spartenübergreifend bei 305 Prozent. Ende März waren es noch 280 Prozent. Ist das die Volatilität der Solvabilität an die man sich gewöhnen muss?

Bader: Absolut. 25 Prozentpunkte innerhalb eines Quartals sind sehr viel. Und das war eine Schwankung über alle Bereiche hinweg, also inklusive der stabileren Kranken- und Sachversicherer. Wir haben es hier also mit einem Einbruch der Solvenzquoten bei den Lebensversicherern zu tun, die extrem zinsabhängig sind. Wir müssen davon ausgehen, dass Quotenveränderungen von 25 bis zu 100 Prozentpunkten innerhalb weniger Wochen bei den aktuell stark schwankenden Zinsen, gang und gäbe sein werden.  

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