Wollmilchsäue fürs Depot

Investmentfonds von Julia Groth

Mit Multi-Asset-Income-Fonds wollen Investmentgesellschaften unzufriedene Sparer erreichen. procontra erklärt, ob und wie diese von breiten Investments und festen Ausschüttungen profitieren.

Nach Jahrzehnten des Suchens haben Fondsgesellschaften endlich die Eier legende Wollmilchsau gefunden. Diesen Eindruck bekommt man jedenfalls, wenn man sich den neuesten Schrei der Investmentindustrie anschaut. Glaubt man Werbeversprechen, bieten sogenannte Multi-Asset-Income-Fonds alles, was das Investorenherz begehrt: Sie begrenzen das Verlustrisiko, steigern den Wert des eingesetzten Kapitals und versprechen obendrein eine feste Ausschüttung, auch Income genannt.

Indem die Fonds in mehrere Anlageklassen gleichzeitig investieren, sollen sie höhere Renditen bringen als Rentenfonds, aber geringere Risiken bergen als Dividendenfonds. Die stellen zwar ebenfalls laufende Ausschüttungen in Aussicht, unterliegen aber in vollem Umfang den Schwankungen des Aktienmarktes.

Verdienter Veteran
Seit einiger Zeit kommt fast jeden Monat ein neuer Multi-Asset-Income-Fonds auf den Markt. Angelsächsische Anbieter tun sich bei der Auflage neuer Produkte besonders hervor. In Großbritannien haben Income-Modelle eine lange Tradition, sie werden dort in der Altersvorsorge verwendet. In Deutschland, wo die Rente bislang nicht primär über Fonds abgesichert wird, wollen Investmentgesellschaften mit Multi-Asset-Income-Produkten vor allem unzufriedene Sparer erreichen.

„Regelmäßige Ertragsgutschriften machen den Erfolg einer Geldanlage direkt erlebbar“, wirbt Claude Hellers, Leiter des Retail-Vertriebs bei Fidelity. Das Investmenthaus strebt mit seinem neuen Fonds Fidelity Zins & Dividende, aufgelegt im November 2014, eine jährliche Ausschüttung von 5 Prozent an.

Der Fidelity-Fonds stellt keine echte Neuheit dar, sondern eine neue Anteilsklasse des rund zwei Milliarden Euro schweren Fonds Fidelity Global Multi Asset Income, der bereits seit Frühjahr 2013 auf dem Markt ist. Finanzberater können also auf eine – wenn auch kurze – Fondshistorie zurückblicken, um das Produkt besser einzuschätzen.

Die Vergangenheit zeigt: Der Mutterfonds konnte im laufenden Jahr mit einem Mix aus Staats- und Unternehmensanleihen, Aktien und alternativen Anlagen wie Immobilien zwar nur rund 3 Prozent an Wert zulegen, schüttete im Oktober aber 5,3 Prozent an Anleger aus und konnte sein Ziel damit übertreffen.

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Illustration: Roman Kulon

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