„Vier von zehn Versicherern machen 2015 Verlust“

Versicherungen von Christian Hilmes

Deutschlands Lebensversicherer leiden unter dem aktuellen Niedrigzinsumfeld: Immer weniger Assekuranzen gelingt es, die in der Vergangenheit abgegebenen Garantien durch entsprechend hohe Erträge ihrer Kapitalanlagen zu erwirtschaften.

Aufgrund ihres Geschäftsmodells steht die deutsche LV-Branche vor einem tiefgreifenden Wandel, schreiben die Analysten der Main First Bank. Für eine aktuelle Marktstudie haben sie die Bilanzen aller 87 deutschen Versicherer aus den Jahren 2011 bis 2013 untersucht. Das Ergebnis: Im laufenden Jahr werden etwa 40 Prozent der Unternehmen rote Zahlen schreiben.

„Bleiben die Zinsen am Kapitalmarkt weiterhin so niedrig wie jetzt, wird bis zum Jahr 2025 die Branche insgesamt Verluste schreiben“, prognostiziert Michael Haid, Senior Analyst bei der MainFirst Bank AG und Hauptautor der Untersuchung. „Eine Lockerung der Zinszusatzreserve würde die Profitabilität in den kommenden Jahren zwar verbessern – allerdings zu Lasten der Gewinnsituation in späteren Jahren.“

„Erheblichen Kapitalisierungsbedarf“
Die Folge dieser Entwicklung sei ein „erheblicher Kapitalisierungsbedarf“ der deutschen Lebensversicherer. „Bei einem durchschnittlichen Anlagezinssatz von 2 Prozent benötigen die schwächeren Unternehmen bis 2035 rund 4 Milliarden Euro frisches Kapital, um ihre Kapitalausstattung auf dem heutigen Stand zu halten“, rechnet Haid vor.

„Bei einem Zinssatz von 1,75 Prozent wären es etwa zehn Milliarden Euro“, so Haid weiter. „Diese Summe erhöht sich auf mehr als 25 Milliarden Euro, wenn man mit einem Anlagesatz von 1,5 Prozent rechnet.“ Als Konsequenz erwartet er, „dass es zu einer Konsolidierungswelle und einer Reihe von Kapitalerhöhungen innerhalb des Sektors kommt.“

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Foto: © UnderTheSea - Fotolia 

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