„Versicherer lösen nächste Finanzkrise aus“

| Versicherungen von Christian Hilmes

„Die letzte Finanzkrise ging von der Immobilienblase in den USA aus, die nächste wird durch die europäische Versicherungswirtschaft ausgelöst werden“, warnt Finanzanalyst Antonio Sommese (Foto). Die Versicherer verweisen auf strengere Regeln ab 2016.

Aufgrund der Ultraniedrigzinspolitik könnten die Lebensversicherungen ihre Renditeversprechungen der Kundschaft gegenüber immer weniger halten, begründet Sommese seine Skepsis. Bei einem Anlagevolumen der europäischen Versicherungsgesellschaften allein in der EU von rund 4,4 Billionen Euro sei das bittere Ende dieser Entwicklung absehbar. „Jeder in der Branche kennt die Lage, aber keiner weiß Abhilfe. Das ist dieselbe Situation, wie wir sie in der Immobilienwirtschaft hatten, bevor sie die letzte schwere Finanzkrise auslöste“, sagt Sommese.

Deutsche Versicherer besonders gefährdet
Als Ursache der Assekuranzkrise, von der die deutschen Lebensversicherer besonders heftig betroffen seien, nennt Sommese die "extrem lockere Geldpolitik" der Europäischen Zentralbank EZB, die zu einem Zinsverfall bei Staatsanleihen - einer Hauptanlageform für Lebensversicherungen - geführt habe. Die deutschen Versicherungsgesellschaften müssten im Schnitt einen Garantiezins von 3,2 Prozent auf Lebensversicherungen zahlen, während eine deutsche Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit lediglich 0,3 Prozent Ertrag bringe.

Droht bald die nächste Finanzkrise?
„Die niedrige Verzinsung der Lebensversicherungen galt bislang vor allem als Problem derjenigen, die damit ihre Altersvorsorge geplant hatten. Möglicherweise könnte sie sich jedoch weit darüber hinaus als Verursacher der nächsten Finanzkrise entpuppen“, so Sommese weiter. Denn die traditionell in Europa besonders enge Beziehung zwischen Lebensversicherern und Banken könne sich als ansteckend und damit verhängnisvoll erweisen. Sobald die Assekuranzen ihre Bestände in großem Stil umschichten, erwartet er den Beginn der nächsten großen Finanzkrise.

Auch Versicherungsaufsicht skeptisch
Sommeses Bedenken teilt unter anderem auch die die EU-Versicherungsaufsicht Eiopa, die Ende vorigen Jahres davor warnte, dass knapp ein Viertel der Versicherer könnten die Solvency II-Vorschriften nicht mehr erfüllen. Heute dürfte der Stresstest für das schlimmste Szenario noch schlechter ausfallen, meint Eiopa-Vorsitzender Gabriel Bernardino: „Die Zinsen sind seitdem weiter gesunken. Deshalb würde es wohl früher zu Turbulenzen kommen, falls die Rahmenbedingungen gleich bleiben“, zitiert ihn die Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag.

Versicherer setzen
 auf Solvency II
„Die deutsche Lebensversicherungsbranche wird den Einstieg in das künftige Aufsichtsregime bewältigen“, zeigt sich dagegen der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) überzeugt. Ein Verbandssprecher beruft sich dabei auf eine im vorigen Jahr durchgeführte Umfrage unter 87 deutschen Lebensversicherern zu ihrer voraussichtlichen Eigenmittelsituation unter Solvency-II-Bedingungen. Demnach haben nur wenige LV-Anbieter, die zusammen auf einen Marktanteil von weniger als 1 Prozent kommen, in der Einstiegsphase zu wenig Eigenkapital.



Foto: Antonio Sommese, Finanzstrategie Sommese GmbH & Co. KG

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