Weltweite Gefahr: „Zombie-Economics“

Investmentfonds Top News von Stefan Terliesner

Trotz einer gigantischen Geldschwemme der Notenbank ist Japan erneut in die Rezession gerutscht. Die gleiche Entwicklung könnte vielen westlichen Staaten drohen: Beim heutigen European Banking Congress schloss die EZB eine weiter lockere Geldpolitik nicht aus.

Japan muss man beobachten. Als der Inselstaat Anfang der Woche erneut in die Rezession abglitt – die dritte innerhalb von vier Jahren – rutschten auch in Europa bei Börseneröffnung die Aktienkurse in den Keller. Erst als Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, verlauten ließ, dass die unkonventionellen EZB-Maßnahmen auch Staatsanleihen umfassen könnten, erholte sich die Kurse wieder. Ein weiterer Beleg, wie sehr die Investoren wie Junkies auf die nächste Dröhnung warten.

Geldpolitisches Großexperiment
Für Heinz Werner Rapp, Chef-Anlagestratege beim Bad Homburger Vermögensverwalter Feri, ist das geld-, wirtschafts- und finanzpolitische Großexperiment in Japan ein Mahnmal auch für Europa. Er vergleicht Japan mit einem „Kanarienvogel im Kohlebergwerk – wenn dem die Luft ausgeht, ist das gesamte System in Gefahr“.

Rapp spielt damit auf eine alte Angewohnheit von Bergleuten an, die sich in den dunklen Schächten Kanarienvögel hielten. Wenn die von der Stange kippten, wurde die Mine sofort evakuiert, denn in der Luft war nicht mehr genug Sauerstoff. „Japan zeigt nun, welche Auswirkungen Fehlentscheidungen in der Finanzpolitik haben können – die gleiche Entwicklung könnte auch vielen anderen westlichen Staaten drohen“.

Bald ist auch die Währung ruiniert
Der Anlagestratege sieht „dunkle Wolken am Horizont für Japan“. Nicht nur dass Japan auf dem besten Weg sei, nach den Staatsfinanzen jetzt auch noch seine Währung zu ruinieren. „Wir haben von Beginn an nicht an die Wirksamkeit der Abenomics geglaubt – diese haben sich nun zu wahren Zombie-Economics entwickelt“. Das Konzept von Japans Ministerpräsident Shinzo Abes, eine extrem lockere Geldpolitik mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen zu kombinieren, sei gescheitert.

Die Hoffnung, dass die nun für Mitte Dezember angekündigten Neuwahlen Besserung bringen, seien nur vage. „Die explosive Mischung aus überhöhten Staatsschulden, einer schwachen Wirtschaft, einer schlechten demografischen Struktur und einer starken Währungsabwertung machen Japan auch mittel- und langfristig zu einem der größten wirtschaftlichen Sorgenkinder der Welt“.

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