„Ich war 2008 optimistischer als jetzt“

Investment-Talk von Julia Groth

Fondsmanager und „Crash-Prophet“ Max Otte spricht im procontra-Interview über die aktuellen Risiken für die Finanzmärkte, die Gefahr einer Blasenbildung am Aktienmarkt und darüber, welcher Markt als nächstes zusammenbrechen könnte.

procontra: Herr Otte, gucken Sie abends die Tagesschau?

Max Otte: Nein. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Fernseher besessen. Ich informiere mich über Zeitungen und im Internet. Ich möchte auch gar nicht immer auf dem Laufenden sein, denn etwas zeitlicher Abstand rückt die Dinge in die richtige Perspektive. Und die wirklich wichtigen Ereignisse bekommt man ohnehin immer irgendwie mit.

procontra: Juckt es Sie angesichts der Krisen in aller Welt in den Fingern, den nächsten Crash vorherzusagen?

Otte: Die geopolitischen Krisen deprimieren mich. Aber zu einem Crash an den Kapitalmärkten kommt es erst dann, wenn die Märkte völlig aus dem Gleichgewicht geraten sind.

procontra: Sind sie das derzeit denn nicht?

Otte: Streng genommen sind die Märkte seit 2008 aus dem Gleichgewicht. Aber wir sehen zurzeit eine brutale sozialistische Zwangswirtschaft, mit internationalen Verteilungsspielchen. In einem solchen Umfeld kann man einen Crash gut verstecken. Nehmen Sie zum Beispiel die Verschleppung der Griechenland-Insolvenz durch die griechische Regierung mit Beihilfe der Europäischen Union. In gewisser Weise war ich 2008 sogar optimistischer als jetzt.

procontra: Wo sehen Sie momentan die größten Risiken?

Otte: Wenn jetzt ein Markt zusammenbrechen würde, wäre es der Anleihen- oder der Immobilienmarkt. Da wird die Lage richtig interessant, wenn die Notenbanken ihre starke Unterstützung zurückfahren.

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Foto: Max Otte

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