Wechselhafter Währungsmarkt

Investmentfonds von Julia Groth

Schwellenländerwährungen haben in den vergangenen Monaten teils drastisch abgewertet. Das wirkt sich auf mehrere Anlageklassen aus. procontra analysiert, wie Investoren reagieren sollten und wann es wieder aufwärts gehen könnte.

Der Rupie geht es zurzeit nicht gerade gut. Im Verhältnis zum US-Dollar musste die Währung in jüngster Vergangenheit deutliche Abwertungen hinnehmen. Ähnlich sieht es beim brasilianischen Real aus, bei der türkischen Lira, bei der indonesischen Rupiah. Seit US-Notenbankchef Ben Bernanke im Mai angekündigt hat, die Anleihekäufe der Fed sukzessive zurückfahren zu wollen, haben viele Schwellenländerwährungen massiv abgewertet. Das setzt Investoren unter Druck. Viele Assetklassen leiden unter den Schwankungen auf den Devisenmärkten. Für Schwellenländerinvestoren ist es jetzt nicht leicht, sich richtig zu positionieren.

Harte Prüfung für Rentenfonds. Lokalwährungsanleihen aus Emerging Markets haben zuletzt besonders gelitten. „Eine Währungsschwäche ist das zentrale Risiko dieser Papiere“, sagt Gernot Griebling, Leiter des Bereichs Makro-Research bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Viele Anleger wurden davon kalt erwischt. Fonds, die in Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern investieren, haben seit Jahresbeginn im Schnitt um 11 Prozent nachgegeben. Fonds, die in Euro denominierte Anleihen kaufen, verloren im selben Zeitraum nur rund 8 Prozent. Anleger fahren mit Fonds, die in Hartwährungsanleihen aus Emerging Markets investieren, momentan besser.
Sollte der Trend drehen und die Währungen wieder steigen, dürften Lokalwährungsprodukte allerdings eine ansehnliche Performance hinlegen.

Auf lange Sicht sehen Analysten eine Aufwertung vieler Schwellenländerdevisen. Nicht umsonst haben Investmentgesellschaften in den vergangenen Jahren verstärkt Lokalwährungsanleihenfonds für Emerging-Markets-Anleger auf den Markt gebracht. Solange die Zinsen am US-Kapitalmarkt steigen, ist ein Einstieg zwar riskant.

Investoren sollten deshalb warten, bis sich die Lage beruhigt, rät Griebling. Ist die Abwertungswelle erst gestoppt, bieten die Papiere aber nicht nur Potenzial für Währungsgewinne. Weil sie gegenüber in Euro oder US-Dollar notierten Anleihen mehr Zinsen abwerfen, bieten sie zudem einen Puffer gegen eventuelle weitere kurzfristige Abstürze. „Das Thema Lokalwährungsanleihen ist auf Wiedervorlage zu nehmen“, sagt Griebling.

Die Schweizer Privatbank Vontobel sieht das ähnlich und will ihren Fokus in den Schwellenländern wieder von Hart- auf Lokalwährungsanleihen verschieben, sobald eine Bodenbildung zu erkennen ist. Auch JP Morgan hält an seiner positiven Einschätzung fest und sieht lokale Währungen attraktiv bewertet. Die jüngsten Abwertungen hätten viel mit der Nervosität am Markt zu tun und seien in ihrer Heftigkeit nicht durchweg fundamental gerechtfertigt, meint die Frankfurter Investmentboutique MainFirst. Bei Schwellenländeranleihen sei deshalb jetzt eine antizyklische Strategie bedenkenswert.

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Illustration: Roman Kulon

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