„Garantien nicht mit Sicherheit verwechseln“

Versicherungen Top News von Matthias Hundt

Recht überraschend verkündete Standard Life die Einstellung ihres Garantieproduktes Freelax. procontra sprach mit Andrea Helmerich, Head of Strategy & Business Planning bei Standard Life, über die Gründe und warum Makler und Kunden umdenken müssen.

procontra: Recht kurzfristig, nämlich zum 20. April, werden Sie ihr Produkt With-Profit Freelax komplett vom Markt nehmen. Warum?

Andrea Helmerich:
Standard Life stand schon immer für die renditefokussierte Anlage. Bisher und auch in Zukunft wollen wir dem investmentorientierten Anleger eine gute Alternative bieten. Selbst als wir mit Freelax 1996 an den Markt gingen, boten wir schon eine niedrigere Garantie, da die Renditechance schon damals im Vordergrund stand. Und mit der heutigen Zinssituation sind wir einfach zu der Entscheidung gekommen, dass für den Kunden ein Garantieprodukt kein befriedigendes Ergebnis mehr erzielen kann.  

procontra: Garantieprodukte sind also nicht für eine Altersvorsorge, die die Kaufkraft erhalten soll, zu empfehlen?

Helmerich: Aus unserer Sicht ist eine nötige Rendite, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen, nicht mit einer Garantiekomponente zu erzielen ist. Kunden werden nicht zufrieden sein, wenn sie zum Vertragsablauf nur die Garantie erhalten, sie erwarten darüber hinaus eine gute Performance des Produkts. Unter den aktuellen Kapitalmarktbedingungen wird diese Performance mit einem Garantieprodukt aber zu gering ausfallen. Investmentorientierte Produkte ohne Garantien sind hier die deutlich bessere Lösung.

 
procontra: Die ersten Reaktionen aus Maklerkreisen bedauern aber, dass dieses „gute und gern vermittelte Produkt“ nun vom Markt verschwindet. Warum bedienen Sie nicht einfach diese Nachfrage weiter?

Helmerich: Das Konzept hat bislang gut funktioniert. Doch die aktuellen Zinssätze drängen einfach die Frage ob, wie nachhaltig dieses Geschäfts- und Produktmodell noch ist, vor allem für den Kunden. Den meisten ist einfach noch nicht bewusst, dass Garantien auch immer die Performance einschränken. Und unter den aktuellen Bedingungen ist am Ende einfach kein auskömmliches Ergebnis zu erzielen. Hier sehe ich auch die Branche gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten.

procontra: Das klingt beinah wie eine Kundenschutzmaßnahme, ein Garantieprodukt vom Markt zu nehmen.

Helmerich:
Ja, das ist es auch ein stückweit. Der Kunde darf Garantien nicht mit einer Sicherheit verwechseln, die ihm die nötige Kaufkraft im Alter erhält. Aber ich bin mir sicher, dass wir nicht der einzige Anbieter sind, der dieses Thema auf der Agenda hat.

procontra: Ein Umdenkprozess von Garantien hin zu auskömmlichen Ertragschancen ist mitunter lang. Wie schätzen Sie die Gefahr ein, den klassischen, garantieliebenden Deutschen mittel- bis langfristig nicht mehr zu erreichen?

Helmerich: Gering, da wir auch bisher den investmentorientierten Kunden angesprochen haben. Wir sind auch zuversichtlich, dass gerade Makler das nötige Umdenken an ihre Kunden verständlich herantragen können.

procontra:
Welchen Umsatzanteil hatte Freelax?

Helmerich:
Freelax war in der Vergangenheit ein wichtiges Standbein für unser Neugeschäft. Wir sind aber optimistisch, den Anteil mit unseren modernen Vorsorgeprodukten kompensieren zu können.

Foto: Standard Life

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