„Der Patient sollte nicht an der Medizin erkranken“

Versicherungen von Stefan Terliesner

Im Gespräch mit procontra prognostiziert Assekurata-Chef Reiner Will den Lebensversicherern wachsende Lasten aus der Zinszusatzreserve – allein zehn Milliarden Euro in diesem Jahr. Weil zugleich die Erträge sinken, gerate das System immer mehr in Schieflage.

procontra: Herr Will, eine grundlegende Frage zum Einstieg: Ist die Zinszusatzreserve wirklich notwendig?

Reiner Will: Absolut. Aufgrund des Dauerzinstiefs könnten die Kapitalerträge der Versicherer in Zukunft nicht mehr ausreichen, um den Kunden die in der Vergangenheit garantierten Zinsen zu zahlen. Die betroffenen Versicherer müssen jetzt Mittel zurückstellen, um in späteren Jahren diese Garantien erfüllen zu können. Es ist eine Vorsorgemaßnahme.

procontra: … zu der die Lebensversicherer gezwungen werden mussten.

Will: Das würde ich so nicht sagen. Die Branche war an der Einführung der Reserve beteiligt. Eine branchenweite Lösung ist sinnvoll. Sonst hätte jeder Versicherer selber entscheiden können, ob er im Zinstief zusätzliche Rückstellungen bildet oder das Geld als Überschuss an Kunden auskehrt. 

procontra: In der Vergangenheit haben Versicherer gerne mit hohen Überschüssen geworben und hohe Garantien gegeben. Haben sie zu viel versprochen?

Will: Die Frage zielt auf die Diskussion ab, wer schuld ist. Man könnte sie auch umdrehen und fragen, welchen Anteil die Politik an der heutigen Situation der Unternehmen hat, schließlich greift die EZB massiv in das Marktgeschehen ein und drückt das Zinsniveau.

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Zinszusatzreserve im procontra-Beratertool LV-Check
Die kumulierte beziehungsweise annualisierte Zinzusatzreserve ist neben der Höhe der Kapitalanlagen und Reserven sowie der Solvabilitäts- und RfB-Quoten ein Kriterium zur Beurteilung der Finanzstärke eines Lebensversicherers. Entsprechende Daten für die deutschen LV-Anbieter finden Sie in der fortlaufend aktualisierten Datenbank des procontra-Beratertools LV-Check



Foto: Reiner Will, Assekurata 

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