Niedrige Zinsen machen bAV teurer

Versicherungen von Christian Hilmes

Betriebsrenten gewinnen an Bedeutung als Instrument der Mitarbeiterbindung. Doch die Firmen müssen immer mehr Geld für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) zurücklegen. Grund dafür ist das anhaltende Zinstief in der Eurozone.

Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland erwarten von ihrem Unternehmen eine attraktive Altersvorsorge, erklärt Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei der international tätigen Unternehmensberatung Towers Watson. „Und die Ansprüche werden weiter zunehmen. Für die Unternehmen bedeutet dies, dass für die Gewinnung und Bindung von Fachkräften eine adäquate bAV eine zentrale Rolle spielt“.

Die aktuelle Lage an den Finanzmärkten stelle die Arbeitgeber allerdings vor Herausforderungen. Towers Watson analysierte jetzt für ihre aktuelle Studie „DAX-Pensionswerke 2014“ die Geschäftsberichte der deutschen Börsenschwergewichte anhand ihrer Angaben zu Pensionsverpflichtungen. Diese Lasten in den Büchern der 30 Großunternehmen stiegen demnach 2014 um 25 Prozent auf 372 Milliarden Euro.

Heutiger Wert der Versprechen
Die Pensionsverpflichtungen umfassen den Wert der Leistungen, die Firmen an ihre aktuellen und künftigen Betriebsrentner zu leisten haben. In den Bilanzen werden die künftigen Zahlungen mit dem Gegenwert erfasst, den das Unternehmen heute zahlen müsste, wenn es die Verpflichtung sofort vollständig ausfinanzieren wollte. Dieser Barwert wächst durch Zins und Zinseszins auf die Höhe der versprochenen Auszahlung an.

Dabei orientiert sich der Zinssatz an der Umlaufrendite von Anleihen guter Bonität. Ändert sich dieser Rechnungszins, bleibt der Betrag der zugesagten Rentenzahlung in der Zukunft zwar gleich. Doch es ändert sich der Barwert, der in der aktuellen Bilanz als heutiger Gegenwert der Pensionsverpflichtungen anzusetzen ist. Konkret: Er steigt, wenn der Rechnungszins sinkt, wie es im vergangenen Jahr geschehen ist.



Ausfinanzierungsgrad sinkt
Die Studie aus dem Hause Towers Watson zeigt: Durch die gesunkenen Zinsen sank auch der Ausfinanzierungsgrad, der das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen zu zurückgestellten Finanzmitteln angibt. Diese Quote betrug 2014 durchschnittlich 61 Prozent. Das sind 4 Prozent weniger als im Vorjahr. „Der Rückgang des Ausfinanzierungsgrades bedeutet aber keine Gefährdung der Betriebsrenten“, stellt Jasper klar.

Foto: © contrastwerkstatt - Fotolia; Grafik: Towers Watson

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