„Lage der Versicherer hat sich verschlechtert“

Versicherungen Top News von Christian Hilmes

Ende vorigen Jahres alarmierte die EU-Versicherungsaufsicht Eiopa die Branche: Knapp ein Viertel der Versicherer könnten die Solvency II-Vorschriften nicht mehr erfüllen. Heute dürfte der Stresstest für das schlimmste Szenario noch schlechter ausfallen.

Die Lage der europäischen Versicherer habe sich seit dem letztjährigen Stresstest verschlechtert, meint Eiopa-Vorsitzender Gabriel Bernardino (Foto). „Die Zinsen sind seitdem weiter gesunken. Deshalb würde es wohl früher zu Turbulenzen kommen, falls die Rahmenbedingungen gleich bleiben“, zitiert ihn die Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag.

Der nächste, für 2016 vorgesehene Stresstest solle zwar nicht vorgezogen werden, so Bernardino weiter. „Aber glauben Sie mir: Wir haben die Sache genau im Blick. Wir warten nicht, bis das Haus brennt, sondern werden vorher reagieren.“ Für deutsche Lebensversicherer seien die anhaltend niedrigen Zinsen aufgrund ihrer langfristigen Garantiezusagen derzeit eine besonders große Herausforderung.

Niedrigzinspolitik gefährdet Finanzstabilität
Die verbesserten Geschäftsergebnisse der deutschen Lebensversicherer, die 2014 ihre Prämieneinnahmen überraschend steigern konnten, sei keine Rettung: „Mehr Einnahmen bedeuten mehr Provisionen. Das ist zwar angenehm, löst aber die grundsätzlichen Schwierigkeiten nicht.“

Laut einer aktuellen Studie von Swiss Re beliefen sich die Ausfälle Einbußen durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken für die Versicherer in der EU und den USA zwischen 2008 und 2013 auf rund 365 Milliarden Euro. Die Interventionen der Notenbanken belasten aber nicht nur die Renditen. Sie befeuern laut der Studie auch gefährliche Preisblasen und zerstören das traditionelle Gefüge zwischen Kapitalgebern und Realwirtschaft.

Mehr Transparenz durch weniger Papier
Aktueller Arbeitsschwerpunkt der Eiopa sei derzeit das Ringen um mehr Transparenz. „Dabei muss klar sein: Mehr Verständlichkeit entsteht nicht durch mehr Informationen, sondern durch weniger. Denn Konsumenten lesen üblicherweise nicht, und was sie lesen, verstehen sie nicht.“ Ziel sei es die Informationen auf maximal drei Seiten zu komprimieren.

Foto: Eiopa

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