Kritische Fragen zur Honorarberatung

Berater von Christian Hilmes

Die Bilanz des britischen Provisionsverbots fällt nicht nur positiv aus. Die von Politik und Verbraucherschutz hierzulande als Alternative vorgeschlagene Beratung gegen Honorar birgt aber für Makler auch Haftungsrisiken.

Unter dem Titel „Insel der (Un-)Seligen“, analysiert die Wochenzeitung Euro am Sonntag in ihrer aktuellen Ausgabe das Verbot von Provisionen für Anlageberater in Großbritannien. Negativ an dem neuen Vergütungssystem sei, dass Geringverdiener vor einer Finanzberatung abgeschreckt würden. Auf Staatskosten sollen daher jetzt insbesondere Rentner über ihre finanziellen Risiken und Chancen informiert werden. Auch das Provisionsverbot für Versicherungen in den Niederlanden brachte ähnliche Probleme für Kunden und Makler mit sich.

Abschreckendes Beispiel für Deutschland?
Hierzulande ist ein Provisionsverbot nicht in Sicht und die Diskussion über das Thema Honorarberatung hat an Schärfe verloren: Statt einer Entweder-oder-Entscheidung ist nämlich auch ein Sowohl-als-auch möglich. Das wollen die meisten procontra-Leser nutzen, wie unsere vor drei Wochen gestartete Online-Umfrage zeigt. Von den bis Montag, 12.30 Uhr, abgegebenen Stimmen der 250 Teilnehmer sagten 55 Prozent Ja auf die Frage „Planen Sie die Honorarberatung als 'zweites Standbein'? “. Der Anteil der Neinsager liegt allerdings bei 38 Prozent.



Beide Vergütungswege kombinierbar!
Dass Mischmodelle aus Provision beziehungsweise Courtage und Honorar rechtlich möglich sind, bestätigte Dr. Christian Grugel, Abteilungsleiter für den Bereich Verbraucherpolitik im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), Anfang des Monats auf dem Honorarberaterkongress in Hanau. Doch damit seien noch längst nicht alle rechtlichen Fragen der Vermittler geklärt, meint Ralf W. Barth, Vorstandsvorsitzender der unabhängigen Vereinigung zum Schutz für Anlage- und Versicherungsvermittler.

Haftungslücken bei Mischmodellen?
Barth (Foto) weist auf mögliche Haftungsdefizite in den bisher üblichen Verträgen zur Vermögenschadenhaftpflicht (VSH) hin: „Die VSH-Konditionen für Honorarberater sind meistens anders formuliert als für Provisionsvermittler.“ Das könne im Streitfall zu unterschiedlichen Auslegungen führen, so der VSAV-Vorstand weiter. „Durch die Ausweitung ergeben sich in aller Regel Arbeitsfelder, die bisher nicht in der VSH abgedeckt waren.“ Vermittler, die ihr Geschäftsmodell erweitern wollen, sollten daher ihren Versicherungsschutz überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

Maklerverband fordert Nettotarife
Nicht zuletzt das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) bringt für Deutschlands Versicherungsmakler geänderte Vergütungsstrukturen mit sich. Um sich im LV-Vertrieb auf die neuen Marktbedingungen einstellen zu können, benötigen sie aber auch entsprechende Produkte. Das fordert aktuell Wilfried E. Simon, stellvertrender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler e.V. (IGVM): „Wir erwarten von den Versicherern, ja wir halten sie sogar für verpflichtet, flächendeckend Nettotarife zur Verfügung stellen“, zitiert ihn Versicherungsmagazin.de.

Nettotarife haben auch Nachteile
„Mit Nettotarifen ist allen geholfen, selbst den Verbraucherschützern“, so Simon weiter. Er begründet die IGVM-Forderung unter anderem damit, dass die Attraktivität der Lebensversicherung für die Kunden erhöht werde. Denn neben Provisionen beziehungsweise Courtagen würden auch Verwaltungskosten herausgerechnet. „Beide zusammen betragen zwischen 6 und 10 Prozent des Beitrags.“ Dem steht gegenüber, dass der Mandant auch bei vorzeitiger Kündigung oder Prämienfreistellung das vereinbarte Honorar zahlen muss.

Foto: © Jeanette Dietl - Fotolia; VSAV

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