Niedrigzinsen bedrohen bAV-Renditen

Versicherungen Top News von Christian Hilmes

Die Geldpolitik der EZB führt zu steigenden Finanzierungslücken in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV), warnt Dr. Michael Heise. Der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe präsentiert der deutschen Politik daher jetzt konkrete Vorschläge, um die bAV zu stärken.

Auf dem MCC-Kongress „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“ in Berlin erklärte Allianz-Chefvolkswirt Heise in dieser Woche, der Europäischen Währungsunion drohe eine so genannte säkulare Stagnation. Darunter verstehen Ökonomen eine lange Phase der wirtschaftlichen Flaute. „Es ist noch ein weiter Weg zu nachhaltigem Wachstum“, so Heise. Etwas robuster zeigt sich Deutschland, dessen BIP 2015 laut Allianz-Prognose um 2,1 Prozent zulegen dürfte.

Einen Funken Hoffnung verbreiten derzeit laut Heise nämlich folgende zwei „Konjunkturmotoren“: Jeder weitere Ölpreisverfall um 10 Prozent erhöht die Kaufkraft der Konsumenten um 0,3 Prozentpunkte. Und eine nochmalige zehnprozentige Euro-Abwertung gegenüber dem US-Dollar verbessert die Exportchancen durchschnittlich so sehr, dass die Gesamtwirtschaft in Euroland um 0,5 Prozentpunkte wächst.

Das ist nicht unwahrscheinlich, meinen die Teilnehmer einer aktuellen Umfrage der Organisation der Investment Professionals an den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten DVFA: Eine Aufwertung der Gemeinschaftswährung in den kommenden Monaten erwarten nur 8,5 Prozent der Befragten. Eine Fortsetzung der Euro-Schwäche erwarten dagegen 42,5 Prozent. Einzelne Marktteilnehmer prognostizieren bereits eine Euro/Dollar-Parität.

Die Realzinsen bleiben vorerst niedrig
„Kurzfristig gibt es viel Anlass zu Optimismus, aber mittelfristig besteht das Problem des zu geringen Wachstums weiter“, so Heise. Darunter leide auch die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Sie ist zwar unabhängiger von politischen Einflüssen sowie der ungünstigen demografischen Entwicklung. Aber Zinsrisiken schlagen voll durch. Das gilt auch in der aktuellen Phase, in der keine steigenden Realzinsen zu erwarten sind.

„Niedrige Zinsen sind nicht die Rettung für unsere volkswirtschaftlichen Probleme, sondern vergrößern sie“, kommentiert Heise die aktuelle EZB-Zinspolitik. „Auch das Programm zum Aufkauf von Anleihen sehe ich kritisch.“ Obwohl mit Zinstiteln kaum noch reale Wertsteigerungen möglich seien, gebe es kaum mehr Konsum. Heise: „Die Sparquote ist trotz geringer Zinsen immer noch relativ hoch.“

Seite 1: Niedrigzinsen bedrohen bAV-Renditen
Seite 2: Negative Auswirkungen der Nullzinsen


Foto: procontra

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare