Neuer Schwung für Windenergie-Fonds

Sachwerte von Christian Hilmes

Die neuzeitlichen Windmüller haben im Dezember mit knapp 9 Milliarden Kilowattstunden eine Rekordernte eingefahren. Stürmisch geht es auch auf dem Beteiligungsmarkt zu, auf den jetzt neue Investmentprodukte kommen, die in Windenergieanlagen investieren.

Windinvestments der früheren Generationen hatten den Anlegern zwar wenig Freude beschert, räumt Evgeniy Gilenko (Foto) ein. „Doch die neuen Investmentprodukte zeigen Ansätze eines ausgewogeneren Chance-Risiko-Verhältnisses“, so der Chefanalyst der Dextro Group. Das Ratinghaus aus Darmstadt hat jetzt die Ratings dreier neuer Windinvestments vorgelegt, die jeweils in die vierte von fünf Risikoklassen eingeordnet wurden:

WindpowerINVEST II
Der in Großbritannien investierende Alternative Investmentfonds (AIF) „WindpowerINVEST II“ wurde mit A+ bewertet. Das Konzept des Fonds sieht vor, dass die tatsächliche Leistung der Anlage durch einen einjährigen Testbetrieb ausgelotet wird, bevor sie der AIF zu einem auf die Ergebnisse der Testphase abgestimmten Preis übernimmt. Es handelt sich um das erste Windinvestment aus dem Hause Aquila.

Windpark Hohenzellig
Vom Anbieter Lacuna stammt dagegen der operativ tätige „Windpark Hohenzellig“, mit dem Anleger auf eine deutsche Anlage setzen. Der Fonds erhielt die Note A und wurde ebenfalls in Risikoklasse 4 einsortiert. Die bisherigen Windinvestments des Betreibers verliefen prognosegemäß - allerdings bei bisher sehr kurzer Historie.

RE06 Windenergie Finnland
Das dritte Rating (A-) erhielt der „RE06 Windenergie Finnland“ des Emittenten Reconcept, der baureife Windanlagen in Finnland erwerben und betreiben will. Der Anleger beteiligt sich auch hier an einem operativ tätigen Unternehmen. Die zu erwerbenden Projekte stehen noch nicht fest, woraus sich Bau- und Projektentwicklungsrisiken ergeben.

Prognosefehler und Schuldenlast
Gilenko zufolge ist die Assetklasse Windenergie nach wie vor mit hohen Risiken verbunden. Sie liegen zum einen in der richtigen Einschätzung der tatsächlichen Leistung der Anlagen. Eine überhöhte Einschätzung der Windstärke sei in der Vergangenheit die häufigste Ursache für die Fehlentwicklung von Windfonds gewesen.

Falle die Windstärke um 10 Prozent schlechter als prognostiziert aus, könne die Leistung der Anlage um 27 Prozent sinken. „Eine Abweichung in Höhe von fünfzehn bis zwanzig Prozent war bei früheren Windfonds keine Seltenheit“, so Gilenko. „Das genügte, um die tatsächliche Stromproduktion der betreffenden Anlage zu halbieren. Mit ihrer Rentabilität war es damit vorbei.“

Zum anderen seien frühere Windfonds darüber hinaus mit einem Fremdfinanzierungshebel von bis zu 80 Prozent konzipiert worden. In vielen Fällen habe bereits eine geringere Abweichung von dem prognostizierten Stromertrag ausgereicht, um die Pläne durcheinander zu wirbeln. „Die Banken wurden zuerst bedient, die Anleger gingen leer aus“, berichtet Gilenko. Die aktuellen, von Dextro analysierten Angebote weisen Fremdkapitalanteile von höchstens 71 Prozent auf.

Foto: © dreihundertbilder – Fotolia; DEXTRO Group  

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