LVRG-Umsetzung: Was Makler darüber denken

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Courtageampeln, Listen und ähnliches. Maklerpools versuchen ihre angeschlossenen Partner möglichst umfassend über die LVRG-Umsetzung der Versicherer zu informieren. Doch viele Makler sind „not amused“.

In der kommenden Ausgabe berichtet procontra (Erscheinungstermin 25. Februar) ausführlich über die neuen LVRG-Courtagemodelle der Versicherer. Ein besonderes Highlight: Tabellarische Auflistung der Modelle samt Versicherer, die diese Modelle umsetzen.

Die Stimmung unter Maklern und Mehrfachagenten ist diesbezüglich jedoch derzeit „eher angesäuert“ wie einige ausgewählte Nennungen zeigen:

Karl Vogt, Mehrfachagent aus Hattenhofen: „Fakt ist doch, jede Gesellschaft will verkaufen. Dafür braucht sie qualifizierte Mitarbeiter. Diese sind, je qualifizierter desto teurer. In den Fünfziger Jahren hat man begonnen, sich vor diesen Kosten ,zu drücken' und hat gerne mit unabhängigen Handelsvertretern zusammengearbeitet, für die man keine Sozialleistungen übernehmen musste. Dafür waren dann die Provisionssätze für diese, in der Regel besser qualifizierten Verkäufer, auch etwas höher als für die angestellten. 

Heute nützt man das ,Deckmäntelchen' gesetzlicher Vorschriften um diese Ausgaben wieder auf das Niveau der angestellten Mitarbeiter herabzudrücken. 

Mein Traum: Keine der Gesellschaften, die dabei mitmachen, sollte mehr Geschäfte von freien Vermittlern bekommen. Vermittler sollten in der gegenwärtigen Lage in der Tat einmal zuerst auf die angebotene Provisionsgestaltung schauen und sich auf Gesellschaften konzentrieren, die weiterhin zum Leben auskömmliche Provisionen bieten. Auch ,andere Mütter haben schöne Töchter'. Sollten diese nicht ,hübsch' genug für die individuellen Kundenbedürfnisse sein, sollten wir uns nicht scheuen, ,Ross und Reiter? zu benennen und den Kunden vor die offene Wahl zu stellen, dass er für ein Angebot der Gesellschaft ,X' weiterhin keine zusätzlichen Mittel über die in den Tarifen bereits eingerechneten Provisionen hinaus aufzubringen braucht, dass er aber, wenn er auf bestimmte Leistungen der Gesellschaften ,Y' und ,Z' nicht verzichten möchte, ein zusätzliches Bearbeitungshonorar zu zahlen hätte, das auch bei vorzeitiger Aufhebung des Vertrags nicht zurückgezahlt würde. Nur so können wir überleben.

Am allermeisten bin ich verärgert, wie dummdreist die Argumentation der meisten Gesellschaften sich an die Vermittler richtet. Es grenzt schon fast an Beleidigung, wenn Gesellschaften ihre eigenen Provisionsvereinbarungen bejubeln, in denen angeblich die Vergütungen nur ,ein wenig anders verteilt? seien. Weniger Abschluss- dafür mehr Folgeprovisionen für die gesamte Laufzeit! Wenn die freie Vermittlerschaft tatsächlich so dumm wäre, solche Aussagen klaglos hinzunehmen, dann hätten wir in der Tat ein ernsthaftes Problem mit der Beratungsqualität in Deutschland. Wo ist der Mathematiker, der mir erklären kann, wo mein Vorteil liegt, wenn die Sofortprovision um 30 Prozent gekürzt wird und ich im Gegenzug jedes Jahr (beispielsweise 30 Jahre lang) ein Prozent mehr erhalte. ,Das sind ja auch 30 Prozent – also kein Nachteil!' Dass diese Erhöhungen künftig längst von der tatsächlichen Inflation aufgefressen sind, darauf könnte mancher ja noch kommen. Aber dass 48 Prozent aller Neuabschlüsse den Ablauf gar nicht erreichen, wird dabei nicht erwähnt. (Dieses Teil-Stornorisiko dürfen die Vermittler jetzt auch noch übernehmen.) 

Und darüber hinaus: das Durchschnittsalter der deutschen Vermittlerschaft liegt heute bereits, je nach Statistik, bei plus/minus fünfzig Jahre. Geschäfte ab 2015 sichern demnach Einkünfte bis etwa zum 107. Geburtstag. Wenn das keine tollen Aussichten sind. Es könnte höchstens sein, dass die Vermittlerschaft gar nicht so alt wird, weil sie vorher bereits verhungert ist. 

Fazit: Ein Angebot wird nicht dadurch besser, dass man dem, der die Hauptarbeit damit hat, den gerechten Lohn kürzt und (vielleicht) die Hälfte dieses Kürzungsbetrags an die Kunden weiterreicht. Den Politikern, die in unheiliger Allianz mit staatlich subventionierten ,Verbraucherschützern' glauben, Marktgesetze aushebeln zu müssen, möchte man ins Stammbuch schreiben: Das Gegenteil von GUT ist GUT GEMEINT!“

Seite 1: Wenn die Vermittlerschaft vorher nicht bereits verhungert ist
Seite 2: Zeche für den Bodensatz der Branche
Seite 3: Zumutung für alle gut ausgebildeten Makler


Foto: © pathdoc - Fotolia

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