Franken-Schock löst Nachbeben aus

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Broker und Hedgefonds gehen Pleite, Banken machen hohe Verluste. Derweil markiert der Deutsche Aktienindex DAX ein neues Allzeithoch. Das Jahr 2015 fängt turbulent an.

Die abrupte Freigabe des Schweizer Franken (sfr) zum Euro hat zu ersten Pleiten im Finanzsektor geführt. Broker sind insolvent, ein Hedgefonds macht dicht und Banken drohen Ergebniseinbußen. Wie die Börsen-Zeitung am 17. Januar berichtete, strichen in den USA, Neuseeland und Australien mehrere Broker jeweils die Segel, weil Verluste aus dem Frankenhandel jeweils das Eigenkapital aufgezehrt hatten oder weil in den entscheidenden Sekunden nicht mehr genug Liquidität vorhanden war, um Stop-Loss-Order von Kunden auszuführen.

Am Donnerstag hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die seit drei Jahren bestehende Bindung an den Euro bei 1,20 Franken aufgehoben. Binnen weniger Minuten sprang der Franken um rund 33 Prozent auf 0,81 sfr in die Höhe, und fiel anschließend wieder etwas zurück. Aktuell kostet ein Euro rund 1,02 sfr. Das überraschende Vorgehen der SNB stieg bei einigen Marktteilnehmern auf heftige Kritik. Laut SNB sei die Freigabe angesichts des abwertenden Euro aber notwendig gewesen, um langfristig die Kontrolle über die Geldpolitik zu behalten. An den Märkten wird der Entschluss auch als Hinweis gedeutet, dass die Europäische Zentralbank am 22. Januar den massiven Ankauf von Staatsanleihen beschließt und damit den Euro gegenüber anderen Währungen weiter schwächt.

Prognosen von Marktteilnehmern, dass 2015 an den Börsen ein Jahr der Schwankungen wird, haben sich zumindest im Januar bereits erfüllt. Zum Leidwesen auch einiger großer Devisenhändlern. So berichtet die Börsen-Zeitung unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Deutsche Bank infolge der Franken-Freigabe allein am vergangenen Donnerstag rund 150 Millionen Dollar verloren habe; bei der britischen Bank Barclays seien es weniger als 100 Millionen Dollar.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wiederum schreibt in ihrer Montagausgabe, der US-Hedgefonds Global Fund von Everest Capital habe wegen der überraschenden Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sein gesamtes Eigenkapital verloren und werde deswegen geschlossen. Der Hedgefonds habe Ende 2014 noch ein Vermögen von etwa 830 Millionen Euro gehabt.

Auch an den Aktienmärkten führte die Entscheidung der SNB zu heftigen Turbulenzen. Der Schweizer Aktienindex SMI verlor am Donnerstag rund 14 Prozent und am Freitag nochmals 6,5 Prozent. Auch für das Gesamtjahr senken die ersten Analysten ihre Daumen. Die Société Générale senkte ihr pessimistisches Ziel auf 7.500 Punkte. Am Montag griffen Käufer zunächst aber wieder zu. Der SMI stieg um 3,2 Prozent auf 8.150 Punkte. Weil der starke Franken die Exporte heimischer Unternehmen verteuert, dürfte die Konjunktur der Eidgenossen in diesem Jahr erheblich gedämpft werden. Andererseits verbilligen sich die Importe in die Schweiz erheblich.

Am vergangenen Donnerstag knickte der Deutsche Aktienindex (DAX) zunächst ein, vollzog dann aber eine spektakuläre Kehrtwende und beendete den Xetra-Handel bei mehr als 10.000 Punkten. Heute (Montag, 19. Januar) markierte der DAX knapp unter 10.300 Punkten ein neues Allzeithoch. Deutsche Unternehmen hoffen auf verstärkte Verkäufe in die Schweiz. Vor allem aber freuen sich viele Investoren auf den kommenden Donnerstag, wenn die EZB den Kauf von Staatsanleihen im großen Stil ankündigt. Im Vorfeld dieser Ankündigung sackt die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen weiter ab und beträgt nur noch 0,40 Prozent.

Foto: © Schlierner - Fotolia

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