Verbrauchermagazine rechnen Riester falsch

| Versicherungen | Top News von Robert Krüger-Kassissa

Lohnt sich die Riester-Rente noch? Diese Frage beschäftigt auch Verbrauchermedien wie „Guter Rat“ und der von ihr in Auftrag gegebenen Studie „12 Jahre Riester-Rente“ des ITA (Institut für Transparenz) sowie das Online-Portal „Finanztip“. Die ermittelten Renditen sind jedoch falsch.

Wenn man dem unabhängigen Verbrauchermagazin „Guter Rat“ und der ITA-Studie glaubt, waren in der Rückschau auf 12 Jahre Renditen bis zu 6,62 Prozent mit der klassischen Riester-Versicherung der CosmosDirekt zu erzielen. Und in der Vorschau auf 30 Jahre Riester-Rente kommt das gemeinnützige Online-Verbrauchermagazin „Finanztip“ bei der von ihr empfohlenen Riester-Police der Hannoverschen Leben noch auf erstaunlich hohe 5,68 Prozent trotz andauernder Niedrigzinsphase.

Doch der Glaube an diese hohen Riester-Renditen trügt nach Werner Siepe, Finanzmathematiker und Versorgungsberater für den öffentlichen Dienst. Laut Siepe rechnen beide Verbrauchermagazine falsch. procontra liegen Siepes Berechnungen vor. Die Magazine berechnen die Rendite der eingezahlten Riester-Beiträge auf das am Ende der Beitragsdauer erzielte oder erzielbare Riester-Guthaben, also auf das Riester-Kapital brutto vor Abzug von Steuern. Bekanntlich können aber höchstens 30 Prozent des Riester-Kapitals ausgezahlt werden und müssen dann nachgelagert besteuert werden. Darauf weist auch „Finanztip“ in seinen Beitrag hin.

Seit Anfang 2014 kann zwar das Riester-Kapital für die Entschuldung einer selbstgenutzten Wohnimmobilie oder als Eigenkapital für ein noch zu erwerbendes Eigenheim entnommen werden. Aber auch in diesem Fall wird das entnommene Riester-Kapital mit fiktiv zwei Prozent verzinst und spätestens ab dem 67. Lebensjahr voll versteuert.

Das Brutto-Riester-Kapital, also das Riester-Kapital vor Steuern, taugt daher nach Siepe grundsätzlich nicht als Maßstab zur Berechnung von Riester-Renditen. Wenn man dann auch noch die gezahlten Netto-Riester-Beiträge - bei „Guter Rat“ sind es die Eigenbeiträge nach Abzug der Zulage und bei „Finanztip“ die Nettobeiträge nach Abzug von Zulage und zusätzlicher Steuerersparnis – mit diesem Brutto-Riester-Kapital vergleicht, muss es zu völlig verzerrten Ergebnissen kommen. Dies trägt nur zur Irreführung von potenziellen Riester-Sparern unter den Verbrauchern bei. Schließlich kann man nicht einen geringst möglichen Nettoaufwand mit dem größtmöglichen Bruttokapital vergleichen.

Da die Riester-Rente mit einer Rürup-Rente oder einer privaten Rentenversicherung ohne Kapitalwahlrecht vergleichbar ist, muss die richtige Berechnung der Riester-Rendite laut Siepe vom Vergleich der Beiträge und Renten ausgehen, entweder als Brutto-Brutto-Vergleich oder als Netto-Netto-Vergleich. Auf diese Weise können dann garantierte oder mögliche Riester-Renditen brutto bzw. netto ermittelt werden.

Die Berechnung einer Kapitalrendite wie in den beiden Verbrauchermagazinen ist nach Auffassung von Siepe schon vom Ansatz her falsch, da die klassische Riester-Rentenversicherung eben nicht mit der Kapital-Lebensversicherung oder der privaten Rentenversicherung mit ausgeübtem Kapitalwahlrecht zu vergleichen ist.

Foto: © Kitty - Fotolia

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