BU- Aktionen: „Langfristig äußerst bedenklich“

| Versicherungen | Top News von Friederike Krieger

procontra-Interview mit Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg, über zeitlich begrenzten BU-Aktionen mit vereinfachter Gesundheitsprüfung, mit denen Versicherer um neue Kunden werben - mit negativen Folgen für Altkunden?

procontra: Warum bieten manche Assekuranzen Berufsunfähigkeitsversicherungen mit vereinfachter Gesundheitsprüfung an?

Michael Franke: Der Wettbewerb mittels Highlights bei den Vertragsleistungen ist ausgeschöpft. Das ist daran gut zu sehen, dass mittlerweile sehr viele Versicherer mit ihren Produkten unser BU-Bedingungsrating mit der Top-Note meistern. Darüber hinaus ist auch der Preiswettbewerb – beziehungsweise der Wettbewerb um die günstigste Berufseinstufung – so weit überdreht, dass die meisten Unternehmen nicht mehr mitgehen können und wollen. Da bleibt dann mangels kreativer Ideen der „Wettbewerbsvorteil“ einer einfacheren und vielfach lascheren Risikoprüfung. Es geht dabei im Grunde darum, Kunden über einen Margenverlust zu gewinnen.

procontra: Auf welche Fragen verzichten die Versicherer dabei?

Franke: Üblicherweise werden die Abfragezeiträume für ärztliche und stationäre Behandlungen stark verkürzt. Während im Rahmen der normalen Gesundheitsprüfung Zeiträume von fünf Jahren für ambulante und zehn Jahren für stationäre Behandlungen üblich sind und von uns auch für wichtig und sinnvoll erachtet werden, wird in Aktionsanträgen häufig nur generell drei Jahre zurückgefragt. Damit ist einer Negativselektion natürlich Tür und Tor geöffnet.

procontra: Sie sind also kein Freund dieser BU-Aktionen

Franke: Bei den Vertriebsaktionen muss man unterscheiden zwischen Maßnahmen, die rein auf Neugeschäft abzielen, und Aktionen, die innerhalb des Versichertenbestands einer Gesellschaft stattfinden. Letztere können durchaus positive Wirkung entfalten, wenn sie gut vorbereitet sind.

procontra: Könnten Sie das näher erläutern?

Franke: Der Versicherer kann gezielt auf Bestandskunden zugehen, die er für gute Risiken hält, und ihnen zum Beispiel eine Erhöhung ihrer versicherten Rente mit einer vereinfachten Gesundheitsprüfung anbieten. Solche Aktionen mit bisher gesunden Versicherten können für einen besseren Risikoausgleich im bestehenden Kollektiv sorgen, da vertraglich vorgesehene Optionen wie Dynamiken oder Nachversicherungsgarantien oft vorrangig von Kunden mit bereits eingetretenen gesundheitlichen Problemen genutzt werden.

procontra: Und wie bewerten Sie das Neugeschäft?

Franke: Ausnahmslos kritisch zu sehen sind Aktionen, die sich ohne Zugangsbarrieren an Neukunden wenden, über die der Versicherer also noch nichts weiß.

procontra: Warum?

Franke: Wir halten diese Aktionen im Sinne der langfristigen Stabilität der Versicherer für äußerst bedenklich. Die Effekte lassen sich aus unserer Sicht vielfach überhaupt nicht abschätzen und kosten mehr Marge als vielfach erwartet. Als regelrecht unfair kann man solche Aktionen gegenüber Kunden bezeichnen, die über den „normalen“ Weg mit vollständigen Gesundheitsfragen im selben Gewinnverband beim Unternehmen versichert sind. Diese sind durch solche Aktionen einem erhöhten Prämien-Anpassungsrisiko ausgesetzt, falls die Überschusssituation durch die schlechtere Bestandszusammensetzung leidet.

Foto: Franke und Bornberg  

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