„Infinus-Vermittler nicht Täter, sondern Opfer“

Berater Top News von Christian Hilmes

Ein Jahr nach der spektakulären Razzia bei Infinus ist noch kein juristischer Schlussstrich unter dem mutmaßlichen Betrugsfall abzusehen: Unter den Käufern der Finanzprodukte droht Streit, ihren Vermittlern drohen jetzt Klagen von Kunden.

Vor genau einem Jahr durchsuchten Ermittler bei einer groß angelegten Razzia Geschäftsräume der Infinus-Gruppe. In der Folge wurden sechs Top-Manager festgenommen, von denen einer nach einem Geständnis im Februar freigekommen ist. Die nächste Haftprüfung für die fünf in Untersuchungshaft verbliebenen Beschuldigten, die die Vorwürfe zurückgewiesen hatten, ist im Dezember vorgesehen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt zehn Infinus-Mitarbeiter. Ihnen wirft sie Anlagebetrug mit einem ausgeklügelten Schneeballsystem vor, mit dem sie zehntausende Privatanleger betrogen haben sollen. Die Insolvenzverwalter der einzelnen Tochtergesellschaften beziffern die Forderungen auf insgesamt mehr als 1 Milliarde Euro.

Noch keine Anklage der Beschuldigten
„Doch eine Anklageerhebung ist nach wie vor nicht absehbar“, erklärt der Kölner Rechtsanwalt Michael Rainer. Er vertritt geschädigte Anleger unter anderem bei der Anmeldung von Forderungen im Insolvenzverfahren oder beim Durchsetzen von Schadensersatz. Anspruchsgrundlage dafür könnten auch Prospektfehler sein, falls Angaben im Verkaufsprospekten nicht vollständig und wahrheitsgemäß waren.

Der Wortlaut der Emissionsprospekte ist jetzt auch Inhalt von juristischen Streitigkeiten unter den verschiednen Gruppen von Infinus-Anlegern. Denn die Unterlagen der Schuldverschreibungen, Genussscheine und Genussrechte der Future Business KGaA (FuBus) enthielten eine Nachrangklausel. Deren Inhalt: Forderungen aus solchen Genussrechten werden im jetzt eingetretenen Insolvenzfall erst nach allen anderen Ansprüchen von Gläubigern bedient.

Seite 1: „Infinus-Vermittler nicht Täter sondern Opfer“
Seite 2: Rechtsstreit unter den Infinus-Anlegern droht
Seite 3: Erste Gerichtserfahrungen stimmen optimistisch


Foto: © Köpenicker - Fotolia

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare