PR-Schlappe für den GDV

| Versicherungen | Top News von Markus Rieksmeier

Berufskollegen des Journalisten Harald Martenstein kritisieren dessen Magazinbeitrag für den GDV. Seine Tätigkeit läuft auch Ansprüchen seines anderen Auftraggebers, dem Zeit-Verlag, zuwider. Nun trennen sich die Wege von GDV und Autor.

Der GDV-Verband veröffentlichte kürzlich in seiner Vierteljahres-Zeitschrift „Positionen“ einen Beitrag des Journalisten Harald Martenstein; durchaus launig und lustig geschrieben: „Woher kommt das schlechte Image der Versicherungen?“, titelte er beim GDV. Die Tätigkeit Martensteins löste Kritik bei Journalistenkollegen aus. Auf Twitter stellte das Presserecherche-Büro Correktiv.org den aktuellen GDV-Beitrag Martensteins in Kontrast zu einem anderen Versicherungs-Artikel des Autors aus dem Jahre 2010. 

Erst „krachen lassen“ - nun GDV-Honorar
Am 19. Oktober 2010 schrieb Martenstein in der „Zeit“: „Mein Rat an die Jugend: Lebt in vollen Zügen. Feiert. Lasst es krachen. Ignoriert alle Vorsorge- und Anlage-Angebote!“ Der Investigativ-Journalist Sönke Iwersen, beim „Handelsblatt federführend“ für die Ergo- und Debeka-Recherchen, twitterte ein weiteres Zitat aus dem „Zeit“-Text Martensteins: „Hinter dem ganzen Vorsorge-Gerede steckt ein gigantischer Betrug.“

Bekannte Namen sollen dem GDV helfen
In einem auf die neue Pressestrategie des GDV, der künftig auch komplette Zeitungstexte liefern will, angelegten Beitrag schrieb Autor Iwersen am vergangenen Donnerstag im „Handelsblatt“ einen kritischen Beitrag. Dort geht es um Martensteins Mischtätigkeit als Journalist für „Die Zeit“ und den Berliner „Tagesspiegel“ einerseits, und für den GDV andererseits: „Die Versicherungsbranche ist unglücklich über ihr Image. Sie will nun über sich selbst berichten. Dabei helfen bekannte Namen“, so Iwersen und benennt Harald Martenstein namentlich. 

Verlagskonflikte
Zu alledem muss man die verlegerischen Hintergründe kennen: „Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ gehören zum selben Verlagshaus, nämlich der Holtzbrinck-Gruppe. Etwaige „Hurra-PR“ aus den Reihen von Tagesspiegel-Schreibern, und seien es freie Autoren wie Harald Martenstein, widerspräche logisch gesehen der Investigativ-Strategie des „Handelsblatt“. Letzteres hatte mit Berichten über den Ergo-Sexskandal und den Debeka-Datenskandal öffentlich Fakten vermittelt - aber auch Stimmung gegen Versicherungen gemacht und somit zumindest in der Versicherungsbranche viel Aufmerksamkeit erzielt.

GDV und Martenstein gehen getrennte Wege
Das Journalismus-Portal „Newsroom.de“ meldete ebenfalls am Donnerstag, die „Zeit“-Chefredaktion habe gegenüber „Newsroom“ erklärt, man habe sich mit Harald Martenstein „einvernehmlich darauf verständigt, dass seine Tätigkeit für die GDV unseren Ansprüchen und Richtlinien nicht entspricht und er diese nicht fortsetzen wird.“ Ein Sprecher des GDV sagte gegenüber procontra: "Wie bedauern, dass Harald Martenstein, den wir als Autor sehr schätzen, nicht mehr für den GDV schreibt."

Foto: „Ex“-GDV-Kolumnist Harald Martenstein, © GDV

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