Eine unendliche HIStory

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

In der Sonderwagnisdatei der Versicherer wurden im Jahr 2011 Risikoeinträge nach Überschreiten des Verfallsdatum nicht gelöscht. Einige Bürger blieben dadurch nicht versicherungsfähig. Öffentlich machte die Speicherpraxis ein Versicherungsmakler.

Normalerweise werden Einträge zu abgelehntem oder erschwertem Versicherungsschutz nach fünf Jahren aus dem Hinweis- und Informations-System (HIS) der deutschen Versicherer gelöscht. Diese Löschung wäre auch im Fall eines Mannes nötig gewesen, der im Jahr 2006 in das HIS-System geriet, weil ein Versicherer ihn dort wegen Erschwernis-Votums zur Berufsunfähigkeits-Versicherung gemeldet hatte. 

Der betroffene Mann ist Kunde von Versicherungsmakler Matthias Helberg. Der Osnabrücker Makler beantragte kürzlich eine BU-Versicherung mit vereinfachten Gesundheitsfragen, die der Kunde alle günstig beantworten konnte. Aber anstatt einer Police erhielt der Antragsteller einen Fragebogen mit ausführlichen Gesundheitsfragen. Das HIS-System hatte bei der Routineprüfung auf gespeicherte Sonderwagnisse angeschlagen. Ohne Warnmeldung wäre der BU-Antrag wohl „glatt“ durchgelaufen. 

Rechtswidrige Speicherpraxis
Makler Helberg hinterfragte das Vorgehen des Versicherers. Den Löschungsregeln des Bundesdatenschutzgesetz folgend wäre der Eintrag zu seinem Kunden aus dem Jahr 2006 im Jahr 2011 aus den Dateien des HIS zu tilgen gewesen. Nun stellte sich heraus, dass der Betreiber des HIS, die Bertelsmann-Tochter Informa, seit dem Jahr 2011 verfallene Daten dennoch weiterhin speicherte. Der Datenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, zuständig für das HIS, bezeichnete diese Praxis als rechtswidrig, berichtet Versicherungsmakler Helberg. 

Die Datenschützer hatte Matthias Helberg eingeschaltet und er zitiert deren Votum auf seinem Blog: „Die Betreiberin der HIS Datei hat somit rechtswidrig gehandelt. Wir haben sie darauf mit der gebotenen Deutlichkeit hingewiesen“. In einem aktuellen Bericht schreibt das „Handelsblatt“: „Der GDV räumt den Fehler ein“, schreibt das Blatt unter Berufung auf einen GDV-Sprecher. Weiter heißt es, der HIS-Betreiber Informa habe „im August die Datenschützer informiert“. 

Auslöser Helberg
Dieser Darstellung glaubt Versicherungsmakler Matthias Helberg nicht. Gegenüber procontra stellt er den Sachverhalt anders dar: „Der betroffene Kunde hatte bei Informa bereits im Juni angefragt und Ende Juni unterrichteten wir den Datenschutzbeauftragten des Landes Baden-Württemberg. Informa selbst wird von dem betroffenen Versicherer zitiert mit den Worten ‚aufgrund des vorliegenden Vorgangs‘ habe man den Fehler festgestellt. Ein entsprechendes Schreiben liegt mir vor.“ 

An einen Einzelfall glaubt Helberg auch nicht. Er sagt: „Wir haben schon mehrere Fehler im HIS entdeckt. Das ist auch kein Wunder, denn die Speicher- und Löschfristen sind so intransparent, dass sie selbst vom GDV und informa fehlerhaft kommuniziert wurden und vermutlich auch die zuständigen Mitarbeiter bei den Versicherern sie nicht wirklich exakt kennen.“ „Fehler passieren“, sagt Helberg und fragt zu gleich, warum „unbescholtene Verbraucher" darunter leiden sollen. 

Der Versicherungsmakler fordert: „Versicherer, die mit HIS zusammenarbeiten, sollten erklären, unrechtmäßig erhaltene Kenntnisse aus dem HIS zu ignorieren. Die Kunden sollten so gestellt werden, als hätte es die unrechtmäßig gespeicherten Einträge nicht gegeben. Und zwar rückwirkend für alle nun bekannt werdenden Fälle. Das wäre vertrauensbildender als der schönste Kodex.“

Foto: © Gina Sanders

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