Kritik an Initiative „gut beraten“: Die Antwort

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Dr. Katharina Höhn, Hauptgeschäftsführerin des Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V., nimmt Stellung zu der Kritik an der Initiative, ausgelöst durch eine aktuelle Aktion des Volkswohl Bundes.

procontra berichtete über die unterschiedlichen Maklerreaktionen, die eine Aktion des Volkswohl Bundes hervorruft. Nun reagiert die Initiative in Person von Dr. Katharina Höhn:

Wir haben mit dem akkreditierten Partner der Initiative gut beraten, dem Hause Volkswohlbund, Kontakt in o.g. Sache aufgenommen und um Zustellung der Seminarunterlagen gebeten. Die wir umgehend erhielten und die uns zusätzlich ausführlich erläutert wurden. Das gesamte Verfahren mit Einladung, Ausschreibung und Teilnehmerverwaltung entspricht den Vorgaben der Initiative. Ebenso entsprechen die im detaillierten Seminarablaufplan aufgeführten Inhalte sowie die zugehörige Bepunktung den Anrechnungsregeln. Nicht bepunktungsfähige Inhalte und Pausen wurden abgezogen. Von den vergebenen 4 Weiterbildungspunkten beziehen sich 3 Weiterbildungspunkte auf klassische fachliche Weiterbildungsinhalte, die Dozenten sind Experten in den jeweiligen Gebieten. Ein Weiterbildungspunkt bezieht sich auf Produktinformationen.

Stein des Anstoßes bei einem Teil der Maklerschaft – nicht bei der Mehrheit! - ist die Entscheidung der Gremien von gut beraten, dass auch fundiertes Produkt-Know-How ein Teil der benötigen Fach- und Beratungskompetenz von Vermittlern ist. Schulungen zu den Produkten durch die Produktgeber selbst sind gemäß den Regeln der Initiative zulässig. Hierzu möchte ich Ihnen folgende Begründung liefern: 

Versicherungslösungen und Versicherungsprodukte sind in hohem Maße erklärungs­bedürftig. Die genaue Kenntnis der Produkte, deren Inhalte und Potentiale genauso wie deren spezifische gesetzliche Anforderungen stellen einen wesentlichen Teil der Fachkompetenz der Vermittler dar – dies ist in allen Berufen der Fall, in denen Produkte vermittelt oder zu Produkten beraten wird. Auch Bildungsprofis wie die Experten vom Bundesinstitut für Berufsbildung sehen das so: Fachkompetenz bedeutet ganz zentral, Produkte zu kennen. Daher ist die genaue Kenntnis von Produkten elementarer Bestandteil auch staatlich geregelter Ausbildungsberufe, wie zum Beispiel dem Kaufmann im Einzelhandel („Warenkenntnisse“) und eben auch dem Kaufmann für Versicherungen und Finanzen. Ein Makler muss sich selbstverständlich intensiv und regelmäßig mit den Produkten auseinandersetzen. Eine mögliche Quelle dieser Information sind Schulungen des Anbieters – dies wird häufig als „schlichte Produktwerbung“ despektierlich vom Tisch gewischt. Doch worum geht es tatsächlich? Der Anbieter erläutert dem Makler die Vorteile und den speziellen Kundennutzen seines Produkts, gegebenenfalls auch die Vorzüge eines neuen Angebots gegenüber bestehenden Lösungen. Das ist nach unserer Auffassung eine zulässige Informationsquelle für den Vermittler und den Makler gleichermaßen. Die Merkmale eines Produkts im Vergleich zu anderen Produkten herauszuarbeiten ist Aufgabe des Maklers, die ihm kein Bildungsanbieter abnehmen kann.

Werden die Anrechnungsregeln der Initiative dabei berücksichtigt, ist also eine Produkt­schulung eine zulässige Form der Weiterbildung im Rahmen dieser Initiative. Daneben gibt es eine sehr breite Palette unterschiedlichster Weiterbildungsmöglichkeiten für Versicherungsvermittler und Makler, bei denen gleichfalls Weiterbildungspunkte gesammelt werden können. Makler, die sich von Produktschulungen nichts versprechen, können andere Weiterbildungsformen wählen, und auch dort werden Weiterbildungspunkte vergeben.

Die Initiative hat den Anspruch erhoben, dass Vermittler regelmäßig 40 Weiterbildungspunkte im Jahr bzw. 200 Weiterbildungspunkte in 5 Jahren sammeln. Dies ist ein vergleichsweise hoher Anspruch, der die Möglichkeit, Weiterbildungspunkte durch Produktinformationsschulungen zu sammeln, von vornherein berücksichtigt.

Die von Teilen der Maklerschaft kritische Bewertung des Themas Produktschulungen haben wir seitens der Initiative im Blick. Wenn wir feststellen, dass unsere Anrechnungsregeln in diesem oder auch in anderen Punkten nachgeschärft werden müssen, werden wir dies tun und auf objektiven Verbesserungsbedarf transparent und begründet reagieren.


Foto: Dr. Katharina Höhn, © BWV

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