IMD II: Die spinnen, die Europäer!

| Berater | Top News von Markus Rieksmeier

Die EU wird bald die neue Vermittlerrichtline verabschieden. Künftig heißt sie Verkaufsrichtlinie, obwohl Provisionsverbote gefordert werden. Letzteres scheint abwendbar. Auch die "verpackten" Produkte werden entschärft – zu Lasten des Durchblicks.

Demnächst setzen sich alle drei wichtigen Institutionen der EU an einen Tisch. Im so genannten Trilog werden dann EU-Parlament, die EU-Kommission und der Rat der europäischen Fachminister (Ministerrat) sich auf eine neue, die zweite Vermittlerrichtlinie (Insurance Mediation Direktive, kurz IMD II) einigen. Endgültiges ist im Frühjahr 2015 zu erwarten. Als letztes hat nun auch der Ministerrat sein Papier zur IMD II vorgelegt. Das Provisionsverbot soll europaweit Bestand haben. Aber nur grundsätzlich, denn die Länder können Ausnahmen beschließen. Dies ist für Deutschland zu erwarten. Auch die Fortbildung der Vermittler bleibt demnach jedem Staat überlassen. 

Trickreiche Ausnahme beim Kostenausweis
Die Kosten von Einzelbestandteilen „verpackter“, also kombinierter Produkte (Packed Retail Insurance-based Investment Products, kurz PRIIPs) sollen weiterhin einzeln gegenüber dem Kunden ausgewiesen werden. Es gibt aber einen Trick, um dies zu umgehen: Wenn zum Beispiel ein Fonds als Bestandteil einer Fondspolice am Markt nicht einzeln käuflich ist, dann müssen dessen Kosten nicht separat ausgewiesen werden.

Hierzu hat die EU parallel eine gesonderte PRIIPs-Verordnung in Arbeit, die mit der IMD II harmonisiert werden muss. Die Einbeziehung von kapitalbildenden Lebensversicherungen, klassischen und fondsgebundenen, in die Reihe der strukturierten, verpackten Produkte hatte im Frühjahr das EU-Parlament beschlossen. 

Publikumsfonds verschwinden aus Policen
Im logischen Schluss bedeutet die Ausnahme, dass künftig keine Publikumsfonds mehr in den Policen zu finden sein dürften, wenn der Versicherer dessen Kosten nicht einzeln ausweisen will. Bisher kann sich ein halbwegs informierter Kunde an Produkt- und Anbieternamen wie zum Beispiel die Fonds „DWS Deutschland“ oder „Fidelity Germany“ orientieren. Sollten diese Fonds künftig Policenbestandteil werden, müsste hierfür ein Spezialprodukt nur für Versicherungen geschaffen werden. Nicht frei verkäuflich, der Umgehung der EU-Kostenausweispflicht wegen. 

Aus Vermittlern werden Verkäufer
Obwohl ein Kern der neuen Richtlinie das Provisionsverbot ist, nach EU-Diktion das Merkmal für Unabhängigkeit der Vermittler, ändert die EU dem Entwurf des Ministerrates zufolge den Namen der Richtlinie. Aus der Vermittler-Richtlinie (Insurance Mediation Directive, kurz IMD) wird die Insurance Distribution Directive (IDD), also Vertriebsrichtlinie. Was früher als Vermittlung (im englischen Text Mediation) bezeichnet wurde, wird künftig als Verkauf (Distribution) bezeichnet.

Im Entwurf des Ministerrates wurden auf 97 Seiten hunderte Textstellen entsprechend auf „Verkauf“ geändert. Der Logik des Papiers nach dürften somit künftig alle, die dem Kunden etwa zu einer Lebensversicherung verhelfen, als „Verkäufer“ bezeichnet werden. So gesehen auch Honorarberater, weil die EU künftig die gesamte Versicherungsvermittlung als Verkauf bezeichnet. Tatsächlich werden Honoraberater für ihre Beratung bezahlt, nicht für das Produkt und nicht aus dem Produkt. Insofern ist der Namens- oder Bedeutungswechsel der Richtlinie unlogisch. 

Wie der englische Begriff Distribution offiziell im deutschsprachigen Dokument des Ministerrates übersetzt wird, bleibt abzuwarten. Die deutsche Version liegt noch nicht vor. Wenn der Trilog im Frühjahr zu einem gemeinsamen Ergebnis der obersten EU-Institutionen führt, kann die Vermittler-, jetzt Vertriebsrichtlinie im Jahr 2017 in Kraft treten.

Foto: Europaparlament in Brüssel, © finecki

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