Generali: Provision runter – Kundenkosten bleiben

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Die Versicherer wollen die Provisionen kürzen, um die Kunden besserzustellen. Nun hat die Generali den ersten Schritt vollzogen: Provisionen gesenkt und ihre Einnahmen erhöht. Die Kosten für Kunden sinken nicht. Das LVRG wirkt wie befürchtet: Makler haben das Nachsehen.

Am 1. Juli hat die Generali für ihren Pflegeversicherungstarif „Pflegerente Anschluss“ die Vergütung auf 20 Promille gesenkt. Zugleich werden den Kunden gegenüber weiterhin 40 Promille Abschlusskosten in Rechnung gestellt: Hierdurch steigert die Generali ihre Bilanz je Police auf einen Schlag um 2 Prozent der Beitragssumme, wenn man von einem bisherigen, maklerüblichen Provisionsniveau von 40 Promille ausgeht.

Die unverändert hohe Kostenlast des Kunden geht aus einer aktuellen Produktinformation hervor, der die Beitragssumme und die Kosten als Eurobetrag zu entnehmen sind. Nachgerechnet: 4 Prozent Kostenlast beim Kunden. Und nur noch 2 Prozent Provisionslast der Generali. Nun ist ein Ziel des Lebensversicherungs-Reformgesetzes erreicht: die Vertriebskosten sinken. Nicht aber die Kosten des Kunden. 

Es verdient nur einer: Der Anbieter
Die Einnahmen der Generali steigen und die hier betroffene Pflegerente ist möglicherweise erst der Anfang: „Die Vergütungsbestimmungen inklusive der Haftungsregelungen für die neuen Tarife Pflegeprodukte ,Generali PflegeRente' und der ,Generali PflegeRente Anschluss' entsprechen den bekannten Regelungen der konventionellen Rentenversicherung“, erläutert der Versicherer in einem Schreiben zur Produkteinführung. 

Das Vorgehen der Generali bewegt die Makler natürlich: „Die Courtagekürzung ist die praktische Umsetzung des LVRG. Nur haben weder Kunde noch Makler davon ein messbares Ergebnis. Lediglich die Generali Bilanz darf sich freuen“, kommentiert Versicherungsmaklerin Esther Riehl-Müller aus Kassel gegenüber procontra. Ihr Kollege Peter Leibold aus Karlsruhe sekundiert: „Das LVRG wurde zum Verbraucherschutz eingeführt. So wurde es zumindest verkauft. Wenn die Kosten für den Kunden aber trotz Halbierung der Maklercourtage gleich bleiben, verdient wieder nur einer: Der Anbieter“.

Übergreifende Kosten
Auf den Kostenausweis angesprochen, sagt die Generali: „Die eingerechneten Abschlusskosten unterscheiden sich in der Höhe immer von den Vergütungen, die unsere Vermittler erhalten“. Weiter gebe es „übergreifende Aufwendungen“, sagt ein Sprecher, und zählt gegenüber procontra die Kosten auf. Zum Beispiel für „das Anlegen der Versicherungsakte, der Aufnahme des Versicherungsvertrages in den Versicherungsbestand, (…)“. Die vollständige erhaltene Aufzählung gleicht bis auf redaktionelle Unterschiede den Darlegungen von Kosten in Versicherungsbedingungen.

Generali dementiert nicht
Auf die Mehreinnahmen durch die Provisionskürzung geht der Sprecher nicht ein, obwohl procontra konkret fragte: „Wer vereinnahmt künftig die Differenz zwischen 4 Prozent Kosten und 2 Prozent Vertriebsvergütung?“ Die genannten Kosten- und Provisionshöhen dementiert die Generali nicht.

Makler Sebastian Berger, Wiesbaden, hat den Sachverhalt gegenüber procontra so kommentiert: „Generali macht´s vor. Vertriebskosten runter, die Preise für den Kunden bleiben gleich. Was soll mich als Kunde noch dazu bringen, diesem Unternehmen mein Vertrauen zu schenken?“ Die Antwort liefert Sebastian Berger mit: „Gar nichts.“

Foto: © Generali Deutschland Holding

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