PKV geht gegen irreführende Werbung vor

Versicherungen von Stefan Terliesner

Verband befürchtet Rufschädigung und will Abmahnungen insbesondere an Internet-Portale verschicken. Zu den dort genannten Billigst-Beiträgen sei den Produktanbietern kein Tarif bekannt.

Gegen „fragwürdige Werbetricks“ à la „PKV ab 59 Euro“, will der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) juristisch vorgehen. Via Pressemitteilung erklärt Verbandsdirektor Volker Leienbach, dass diese Methoden „insbesondere im Internet um sich greifen und den Ruf der PKV schädigen. Werbungen für Tarifangebote zu einem Preis, der so am Markt nicht verfügbar ist, sind unzutreffend und damit irreführend. Sie verstoßen gegen die Vorschriften des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.“

Strafzahlung bei Zuwiderhandlung
Dies gelte auch für das Verschweigen wesentlicher Merkmale, wenn beworbene Tarife nicht die typischen Leistungen einer privaten Krankenversicherung umfassen. Die Urheber entsprechender „irreführender Werbeangebote“ erhielten daher eine Abmahnung. „Sie werden zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung aufgefordert, für jeden Fall der Zuwiderhandlung drohen ihnen empfindliche Strafzahlungen“, betont Leienbach.

Eine Umfrage bei den PKV-Mitgliedsunternehmen habe ergeben, dass zu den in einschlägigen Werbungen genannten Billigst-Beiträgen kein Tarif bekannt ist, der den üblichen Schutzumfang einer privaten Krankenversicherung bietet. Soweit es bei PKV-Unternehmen einzelne Tarife mit derart geringen Beiträgen gibt, seien sie an sehr enge Voraussetzungen geknüpft und bezögen sich auf spezielle Zielgruppen wie z. B. Studenten, Beamtenanwärter oder Meisterschüler. Dazu Leienbach: Solche Tarife werden aber in der Regel ohne Alterungsrückstellungen kalkuliert, weil sie nur für vorübergehende Lebensphasen gelten. Sie entsprechen nicht der typischen privaten Krankenvollversicherung.“

Nur ein Instrument, um an Kundendaten zu gelangen
Wie der PKV-Verbandsdirektor weiter kritisiert, liege bei einigen dieser scheinbaren Billig-Angebote der Verdacht nahe, dass es sich gar nicht um Werbung für reale Versicherungen handelt, „sondern andere Absichten dahinterstecken“. Meist würde diese Werbeanzeigen zu Internet-Fragebögen führen, wo persönliche Daten abgefragt werden, die sich anschließend gewinnbringend für völlig andere Zwecke vermarkten ließen. Praxistests von Verbraucherschutz-Journalisten hätten  zutage gebracht, dass sie in keinem einzigen Fall nach dem Ausfüllen solcher Fragebögen ein konkretes Versicherungsangebot erhalten haben, stattdessen aber z. B. ein versehentlich bestelltes Zeitschriften-Abonnement.

Foto: © Sergey Nivens - Fotolia.com

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