China vor Crash? „Vorsicht ja - aber keine Panik“

Investmentfonds von Christian Hilmes

Geht das nächste weltweite Börsenbeben von China aus? Das Hongkonger Börsenbarometer Hang Seng reagiert fiebrig auf die aktuelle Unsicherheit am Aktienmarkt: Die erste Woche im Jahr des Pferdes schloss der Aktienindex mit einem Minus von knapp 4 Prozent ab.

Einen Crash in China erwarten nicht wenige Marktbeobachter. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Die traditionell sehr schwankungsreichen Börsen der Schwellenländer verlieren bei den aktuellen Kursrutschen in den Industriestaaten an Boden. Für Eric Chaney, Chefökonom der Fondsgesellschaft Axa Investment Managers, basieren die Horrorprognosen aber zum Teil auf Gerüchte. Er sagt: „Wegen China ist Vorsicht geboten - aber keine Panik.“

Chaney weiter: „Ich bleibe bei der Auffassung, dass die Märkte die Risiken einer starken Verlangsamung des Wirtschaftswachstums wahrscheinlich überschätzen.“ Und eine wichtige Frage bleibe offen: „Die chinesischen Finanzmärkte sind weitgehend isoliert vom Rest der Welt. Warum also reagieren die globalen Märkte so sensibel auf eine mögliche Finanzkrise in China?“

Swisscanto zieht sich aus Schwellenländern zurück
„Weil die Abflüsse aus Anlagen in Emerging Markets anhalten, verringern wie unsere Position bei Emerging Markets Debt“, sagt Thomas Härter, Leiter Anlagestrategie der Swisscanto Asset Management. „Zudem stellen wir uns auch bei Aktien vorsichtiger auf.“

Die Ländergruppe der Emerging Markets dürfe aber nicht pauschal abgestraft werden. „Es gibt landesspezifische Achillesfersen: Einzelne Länder weisen hohe Leistungsbilanzdefizite auf und erhöhen nun die Zinsen, um massive Kapitalabflüsse zu stoppen.“ Betroffen davon sind laut Härter Brasilien, Indien, Südafrika sowie insbesondere die Türkei und Argentinien.

Keine Asien-Krise wie im Jahr 1997 zu erwarten
„Die Währungen vieler Schwellenländer haben zuletzt stark abgewertet. Doch eine Krise, wie sie die asiatischen Länder 1997 erlebt haben, dürfte nicht bevorstehen“, sagt Paul McNamara, Fondsmanager des Julius Baer Local Emerging Bond Fund (WKN: 933785). Die aktuelle Entwicklung sei nicht vergleichbar: Die Schwellenländer seien heute deutlich robuster und die dortigen Banken teilweise besser aufgestellt als in den Industrienationen.

„Was wir erleben, ist das Ende des Wachstumsmodells, dem die Schwellenländer nach der Finanzkrise gefolgt sind“, so McNamara weiter. Für Investoren an den Anleihemärkten gelte es jetzt zu analysieren, wie erfolgreich die unterschiedlichen Länder den notwendigen Anpassungsprozess durchliefen.

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Foto: © pixeltrap - Fotolia.com

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