Der GDV macht Presse

| Versicherungen | Top News von Markus Rieksmeier

Mit einem internen Papier stimmt der Gesamtverband der Deutschen Versicherer seine Mitglieder auf eine neue PR-Strategie ein. Künftig will der Verband, personell verstärkt, auf allen Kanälen senden und eigene Presseinhalte lancieren.

Öffentlich verkündet der GDV wenig; nur die Neuverpflichtung von Jörn Paterak, vormals Redakteur der untergegangenen „Financial Times Deutschland“, der künftig den „Newsroom“ der GDV-Kommunikation leitet. In der Pressewelt ist der Newsroom eine Zentrale, wo alle Nachrichten eingehen und gesichtet werden. Daraus wird nun eher eine Sendestation: in alle Kanäle inklusive Social Media will der Verband künftig seine Botschaften schicken. Ein weiterer Bereich der neugeordneten PR des Verbands soll unter Leitung von Ulrike Pott die Inhalte liefern.

In einer internen Mitteilung an die Versicherer, die procontra vorliegt, erklärt der GDV, man wolle künftig „mutig und nach vorne gerichtet“ kommunizieren. „Wir wollen raus aus der Defensive und Freiräume schaffen – für ein aktives Themenmanagement und ,gute' Geschichten aus unserer Branche. Deshalb stellen wir die GDV-Kommunikation strategisch und organisatorisch neu auf.“ Künftig bearbeiten 26 Personen die Öffentlichkeit; das zeigt das neue Organigramm des GDV.

„Freiräume“
An die Versicherer gerichtet schreiben GDV-Hauptgeschäftsführer von Fürstenwerth und Kommunikations-Geschäftsführer Christoph Hardt: „Offensive statt Defensive - Empörungsjournalismus und mediale Skandalisierung nehmen zu - und treffen unsere Branche ganz massiv“. Der Verband tauft sein PR-Projekt „Freiräume“.

Skandalisierungen, also das Aufbauschen kleiner Missstände zu „großen“ Meldungen, gab und gibt es in der Tat. Eine aktuelle Meldung des „Handelsblatts“ von diesem Donnerstag zeigt, was mit Skandalisierung gemeint ist: „So werden Sie Ihre Lebensversicherung wieder los“. Als ob Altersvorsorge ausschließlich ein Klotz am Bein wäre. 

Schiere Größe gegen Medien
Gegen falsche Aussagen und Berechnungen hatte der GDV seinen „Faktencheck“ eingeführt und im vergangenen Jahr zum Teil taggenau mit Sachargumenten auf kritische Presse reagiert. So geschehen nach der Berichterstattung der „Süddeutschen“ zur Schadenregulierung der Versicherer. Ob der GDV aber deswegen gleich eigene „gute“ Geschichten lancieren muss?

So jedenfalls steht es in dem Verbands-Papier: Das „Team Reporter“ entwickelt „strategische Themen und ,Geschichten' für alle GDV-Kanäle. Für Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten geht die Neuausrichtung des GDV „hin zu einer anscheinend deutlich aggressiveren Pressearbeit“, sagt er auf Anfrage gegenüber procontra. Kleinlein meint, diese werde „nicht dazu beitragen, konstruktive und nüchterne Diskussionen führen zu können. Es besteht die Gefahr, dass der GDV allein durch die schiere Größe und sehr große Kapazitäten die Medien besonders stark beeinflussen kann“. 

Negativbeispiel Vertriebskodex
„Lobbyisten sind Lobbyisten - hier wird das Team verstärkt, das für die Fassade zuständig ist. Wann arbeitet der GDV Verband an der inhaltlichen Optimierung?“, kritisiert Versicherungsberater Thorulf Müller aus Kassel. Ebenfalls aus Kassel erreichte procontra eine weitere Stimme: "Worum geht es dem GDV, um Inhalte oder Reputation? Bei Inhalten mangelt es. Ein Beispiel ist der Vertriebskodex ohne Nachhaltigkeits-Kontrolle. Da ändern auch Heerscharen an Redakteuren nichts", kritisiert Versicherungs- und Unternehmensberater Christian Müller.

Beim GDV geht es am 1. September los; ab dann produziert der Verband eigene Inhalte, „gute“ Geschichten für die Presse. Und vieles davon könnte ungeprüft in unterbesetzten Wirtschaftsredaktionen landen.

Foto: Der neue Newsroom des GDV (noch als Baustelle), der im Oktober 2014 bezogen werden soll. © GDV

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