Makler gegen Kündigungs-Rallye bei Lebenspolicen

| Versicherungen | Top News von Markus Rieksmeier

Trotz Lebensversicherungs-Reform bleibt die Sockelbeteiligung an den Reserven für 2014 unverändert. Die könnte zu einem Mitnahmeeffekt führen, den Verbraucherschützer nun anheizen. Von procontra befragte Makler sehen das sehr kritisch.

Demnächst hat „Finanztest“-Chefredakteur Hermann Josef Tenhagens einen neuen Arbeitgeber. Den „Finanztip“ und der macht gerade Presse: „Gesetzeslücke entdeckt: Lebensversicherte können doch noch bis Ende 2014 Milliarden Euro retten“, schreibt der als „Verbraucher-Webseite“ auftretende „Finanztip“ an diesem Mittwoch. Das Portal stützt sich auf Aussagen des Bundesfinanzministeriums; dieses habe bestätigt: „Die Unternehmen legen die Sockelbeteiligung im Rahmen ihrer Jahresdeklaration fest. Daran sind die Unternehmen gebunden.“

Auch der GDV-Verband wird als Zeuge für eine „Gesetzeslücke“ angeführt - korrekt: Gegenüber procontra erklärte ein Sprecher, das LVRG ändere "in diesem Jahr an der Sockelbeteiligung (...) nichts. Nur gegebenenfalls entstehende Spitzenbeträge sind in 2014 durch die gesetzliche Neuregelung betroffen, wenn sie zur Bedeckung des Sicherungsbedarfs benötigt werden.“ Erst für das kommende Jahr, so der Sprecher des GDV „entscheiden die Lebensversicherer unternehmensindividuell zum Jahresende.“

Kündigungsrechner
In der weiteren Darstellung des Sachverhalts um die Reserven taxiert der „Finanztip“ durchschnittlich 930 Euro Bewertungsreserven je Versicherungsvertrag und es seien vier Millionen Lebensversicherungen betroffen. Insgesamt gehe es „um Milliardenbeträge, die sich Versicherte noch auszahlen lassen könnten“. Ferner habe die Versicherungswirtschaft „kein Interesse daran, bekannt zu machen, dass sich eine Kündigung auch nach Inkrafttreten des Gesetzes noch lohnen könnte“. Ob sich eine Kündigung der LV lohnt, dafür bietet der „Finanztip“ auf seiner Webseite einen kostenlosen Rechner an. Von procontra hierzu befragte Versicherungsmakler sehen das kritisch.

Martin Tams, Versicherungsmakler aus Heide in Schleswig-Holstein bemängelt zu der isolierten Betrachtung lediglich eines LV-Vertrags: „Bei Altverträgen vor 2005 müsste auf die steuerliche Situation hingewiesen werden“. Gesamtheitlich betrachtet es Wladimir Simonov, Makler aus Landshut: „Die Gesamtsituation des Kunden kann mit keinem ,Kündigungsrechner' seriös erfasst werden. Ein Vertrag, der mathematisch nicht so rentabel ist, kann trotzdem einen Sinn im Gesamtkonzept machen.“

Keine Kündigungs-Rallye bitte!
Für Ralf Kramer, Berliner Versicherungsmakler, ist der „Kündigungsrechner“ des „Finanztip“ eine „Kampagne hoch vier“. Auch damit werde „ein gutes Produkt, welches sich über Jahrzehnte als Basisaltersversorgung bewährt hat, vom Verbraucherschutz innerhalb von ein paar Jahren zu Grabe getragen“ und Kramer fügt hinzu: „Ja es ist eine Versicherung mit Sparanteil und keine reine Kapitalanlage mit Volatilität, liebe Finanztipper“, sagt Kramer auch mit Blick auf den seines Erachtens nach übersehenen Risikoschutz der Lebensversicherung.

Immerhin ein Vorschlag aus der Maklerschaft deckt sich mit Empfehlungen des „Finanztip“. Neben einer Kündigung sollte der Kunde prüfen, ob es sich lohnt, „den Vertrag zu verkaufen und weiterhin Versicherungsschutz zu kassieren“, sagt Makler Michael Zieren aus Eltville am Rhein. Aber dennoch stellt Zieren Fachfragen in den Raum, die kein Kündigungsrechner beantworten kann: „Inwiefern passt der bestehende Vertrag zur persönlichen Ruhestandsplanung bezüglich Sicherheit, Rendite, Vererbbarkeit, Risikoabsicherung?“. Aber jetzt von Verbraucherschutz-Seite zu einer „Kündigungs-Rallye aufzurufen, ist komplett fehl am Platze“.

Foto: © Udo Ingber - Fotolia.com

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