LVRG beeinflusst freien Vertrieb entscheidend

Berater von Stefan Terliesner

Makler müssen sich auf Provisionsdruck durch den Versicherer einstellen. Zugleich werden die Produkte wohl teurer. Und die Regulierungsflut ebbt auch nicht ab.

Trotz Streichung der ursprünglich angedachten Provisionsoffenlegung in Euro und Cent sind freie Makler keineswegs die Sieger des installierten Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) – im Gegenteil. In einer Mitteilung an die Presse äußert sich Jutta Krienke, Vorstand beim Maklerpool BCA AG, wie folgt: Das LVRG bedeutet keinesfalls ein nachhaltiges Aufatmen für den freien Vertrieb. Im Gegenteil: Die Konsequenzen für die gesamte Branche werden vehement sein. Sie listet auf:

1. Lebensversicherung büßt ehemals gutes Image ein. Durch die vorgesehene Absenkung des Höchstrechnungszinses ab 2015 bei allen Garantieprodukten von 1,75 auf 1,25 Prozent verliert die Lebensversicherung zwangsläufig an Attraktivität.

2. Versicherer müssen Vertriebskosten senken. Hintergrund ist die zum 1. Januar 2015 angedachte Absenkung des Höchstzillmersatzes bei Lebensversicherungsprodukten von 40 auf 25 Promille der Beitragssumme. Auch wenn formal die Einführung einer gesetzlichen Provisionsdeckelung verhindert und somit ein wettbewerbsorientiertes Vergütungssystem beibehalten wurde: Im Grunde ist damit der „schwarze Provisions-Peter“, der zwangsweise zu einer Reduzierung der Kosten führen wird, an die Versicherer weitergegeben. Es ist davon auszugehen, dass Versicherer an der Provisionsschraube innerhalb der Leben-Sparte drehen werden. Dies betrifft generell die Kürzung der Maklerprovision oder eine Umverteilung weg von Abschluss- hin zu Bestandsvergütungen.

3. Produkte können teurer werden. Die stärkere Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Risikoüberschüssen (von 75 auf 90 Prozent), die gleichsam eine drastische Deckelung der möglichen Gewinne für den Versicherer bei weiterhin unverminderter Leistungspflicht bedeutet, wird die Versicherer umdenken lassen. Die Folgen: Produkte, wie Risikolebens-, Berufs- und Pflegeversicherungen könnten sich ab nächstem Jahr für den Verbraucher deutlich verteuern. Eine weitere Konsequenz dürfte zudem die Reduzierung des angebotenen Versicherer-Leistungsspektrums sowohl auf Produkt- als auch Vertriebsunterstützungsseite mit sich bringen.

4. Regulierungsflut hält an. Auf deutscher und europäischer Ebene sind weitere Initiativen in den Startlöchern, die auf eine angeblich noch detailgenauere Beratungsprotokollierung, eine größere Kostentransparenz bis hin zur Zwangsverhaftung der Branche Richtung Honorarberatung abzielen.

Foto: Dr. Jutta Krienke, © BCA AG

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