Die halbe Mütterrente bekommt der Ex

Berater Top News von Markus Rieksmeier

Derzeit werden viele Informationen durch die Presse gereicht, wonach auch Väter von der Mütterrente der Bundesregierung profitieren könnten. Tatsächlich wird die Mütterrente durch zwei geteilt. Hier ein procontra-Tipp für die Kundenberatung.

Die neue Mütterrente kann auch geschiedene Männer interessieren, die nach der Trennung Teile ihrer Rentenanwartschaften an die Exfrau abtreten mussten. Viele Finanzberater werden zurzeit auf diesen Umstand angesprochen. Versicherungsmakler Dr. Berndt Schlemann aus Köln ist promovierter Jurist und hat procontra bei diesem Vermittlertipp unterstützt. Sein Hinweis: „Um den Kunden eine Orientierung zu geben, muss man drei Punkte betrachten: Den Versorgungsausgleich, die neue Mütterrente und wie sich diese auf den ursprünglichen Versorgungsausgleich zum Zeitpunkt der Scheidung auswirkt“. Im Folgenden geht es ausschließlich um die Gesetzliche Rentenversicherung.

Der Versorgungsausgleich

Bei einer Scheidung werden im Versorgungausgleich die während der Ehezeit gestiegenen Rentenanwartschaften der Eheleute

1. verglichen
2. durch zwei geteilt und
3. auf den Ehepartner mit der geringen Rente verteilt.

Makler Schlemann nennt ein Beispiel: Der Mann hat während der Ehezeit seine Rentenanwartschaft um 800 Euro erhöht. Seine Frau erreichte während dieser Zeit nur 200 Euro. Die Differenz von 600 Euro wird im Versorgungsausgleich durch zwei geteilt. „Deswegen erhält die Frau einen Rentenzuschlag von 300 Euro. Die Rente des Mannes wird entsprechend um 300 Euro gesenkt“ (siehe Tabelle). 

Anwartschaften vor und nach Versorgungsausgleich

RenteAnwartschaften vor Versorgungsausgleich
800 EuroMann
200 EuroFrau
600 Eurobeträgt der Unterschied Mann/Frau
300 Euroist die Hälfte des Unterschieds => zugunsten der Frau 

 

 

RenteAnwartschaften nach Versorgungsausgleich
500 EuroMann
500 EuroFrau


Nun erhalten beide Ex-Ehepartner zum gesetzlichen Rentenbeginn je 500 Euro aus der gemeinsamen Ehezeit. Zusätzliche Anwartschaften vor oder nach der Ehe bleiben unberücksichtigt, weil sie für den Versorgungsausgleich keine Rolle spielen.

Die Mütterrente
Seit 1. Juli bekommen Mütter inzwischen erwachsener, nämlich vor 1992 geborener, Kinder die so genannte Mütterente. Das bedeutet: Je Kind gibt es einen Rentenzuschlag in Höhe eines Entgeltpunktes. Für 2014 entspricht das monatlich 28,61 Euro im Westen (26,39 im Osten), um die laufende Renten beziehungsweise Rentenanwartschaften der Zukunft erhöht werden. Jurist Schlemann dazu: „Durch die neue Mütterrente steigen die während der Ehezeit erworbenen Rentenansprüche nachträglich. Deshalb ist auch noch Jahre nach einer Scheidung eine Änderung des damaligen Versorgungausgleichs möglich.“.

Änderung des Versorgungsausgleichs wegen Mütterrente
„Gemäß Familiengesetz (§ 225) können geschiedene Ehepartner nachträglich einen Wertausgleich des Versorgungsausgleichs verlangen, wenn die Änderung mindestens fünf Prozent des bisherigen Ausgleichs oder 27,65 Euro (ein Prozent der so genannten Bezugsgröße) pro Monat übersteigt“, erläutert Schlemann. Das obige Beispiel fortgesetzt, unterstellen wir nun: Eine Frau bekommt Mütterrente für drei Kinder. Im Westen sind das 85,83 Euro mehr Rente beziehungsweise Anwartschaft, wenn die Frau noch arbeitet.

So sähe der abgeänderte Versorgungsausgleich mit Mütterrente aus. Die Anwartschaft des Mannes bleibt gleich. Die Anwartschaft der Frau erhöht sich um (gerundet) 86 Euro im Monat.

Anwartschaften nach altem Versorgungsausgleich
RenteAnwartschaften 
500 EuroMann (unverändert)
586 EUroFrau (plus 86 Euro Mütterrente)
86 Eurobeträgt der Unterschied Mann/Frau
43 Euroist die Hälfte des Unterschieds => zugunsten des Ex-Mannes

Anwartschaften nach geändertem Versorgungsausgleich
RenteAnwartschaften
543 EuroMann
543 EuroFrau

Im Effekt führt die Mütterrente von 86 Euro bei beiden Personen zu einer Rentensteigerung von 43 Euro im Monat. Anders gesagt: die Mütterrente wurde durch zwei geteilt. Genauso wie der Rentenunterschied beim ursprünglichen Versorgungsausgleich. „Da beim Versorgungsausgleich immer der Rentenunterschied zwischen Mann und Frau durch zwei geteilt wird, lässt sich dies auch auf die Mütterrente übertragen“, erläutert Schlemann diesen Effekt für geschiedene Ehemänner.

Bezogen auf den Versorgungsausgleich, nur darum geht es, wird die Mütterrente also immer halbiert und zwischen Mann und Frau aufgeteilt. Und deswegen ist es rechnerisch auch völlig egal, wie hoch die Rentenanwartschaften während der Ehe waren oder wie hoch die Differenz war. Die hinzu kommende Mütterrente ist die neue Differenz und die wird immer durch zwei geteilt.

Das Vorstehende kann umgekehrt auch für Väter gelten. Makler Schlemann: „Nämlich dann, wenn die Kindererziehungszeiten der Gesetzlichen Rentenversicherung zu Ehezeiten mit Zustimmung der Frau auf den Mann übertragen wurden. Die Kindererziehungszeiten sind nämlich der automatische Auslöser für die Mütterrente“. In so einem Fall erhalten dann die Väter die Mütterrente ausgezahlt oder gutgeschrieben. Zum Beispiel wenn die Ehefrau als Selbständige nicht Mitglied der Gesetzlichen Rentenversicherung war, der Ehemann als Angestellter aber Pflichtmitglied.

Wann und wie kann der Versorgungsausgleich abgeändert werden?
Hier erklärt Jurist Schlemann: „Die Einführung der Mütterrente berechtigt bereits Geschiedene heute noch nicht zu einem geänderten Versorgungsausgleich. Sie müssen warten und können die Änderung erst sechs Monate vor dem Rentenbeginn der jüngeren Person beantragen“. Zu diesem Zweck setzen sich aufmerksame zukünftige Rentner einen entsprechenden Termin. Oder der Finanzberater tut dies und gibt seinen Kunden rechtzeitig einen entsprechenden Hinweis.

Achtung bei Mütterrente im Osten
In bestimmten Konstellationen könnten Männer im Rechtskreis Ost bei der Mütterrenten-Beteiligung leer ausgehen. Berndt Schlemann erläutert: „Nämlich dann, wenn die Exfrau nur ein Kind geboren hat und dafür 26,39 Euro Mütterrente erhält und damit die Änderungsschwelle von einem Prozent der Bezugsgröße (aktuell 27,65 Euro) unterschritten wird; und wenn ebenfalls fünf Prozent des ursprünglichen Ausgleichswertes, also 527,80 Euro, unterschritten würden“. Möglich wäre dies etwa, wenn der Ex-Ehemann zu Ehezeiten über zwanzig Jahre lang mehr als 5.000 Euro brutto verdient hätte und die Frau nur sehr wenig in die Rente eingezahlt hätte.

„Eine Rentenberatung im engeren Sinne dürfen Versicherungsmakler natürlich aus rechtlichen Gründen nicht durchführen. Aber sie können die hier gegebenen Hinweise an ihre Kunden weitergeben“.

Dr. Berndt Schlemann nennt dazu abschließend die Faustformel für Versorgungsausgleich und Mütterrente: „Die Rentendifferenz aus der Ehezeit geteilt durch zwei erhöht die Rente des ‚ärmeren‘ Ehepartners. Deshalb wird auch die Mütterrente durch zwei geteilt.“

Foto: © megakunstfoto - Fotolia.com

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