Wirtschaft kritisiert Andrea Nahles

Versicherungen von Christian Hilmes

Die Rentenpolitik der Großen Koalition steht erneut massiv in der Kritik: Es verletze die Generationengerechtigkeit, so die deutschen Mittelständler. Als Privileg für einzelne Jahrgänge, kritisieren es die Arbeitgeber.

Die Ablehnung fällt deutlich aus: 100 von 109 Ökonomen lehnen die Rente mit 63 ab. Das Ergebnis dieser Umfrage unter deutschen Wirtschaftsprofessoren veröffentlichte heute der Auftraggeber, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Gegen die ebenfalls geplante Mütterrente sprechen sich demnach 86 der befragten Professoren aus. Die Rentenpolitik sei ungerecht, führe zu steigenden Beitragssätzen und verschärfe den Fachkräfteengpass auf dem Arbeitsmarkt.

Welle von Frührenten erwartet
Dieser Kritik aus Anlass einer öffentlichen Anhörung zu den Rentenplänen von Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) schließt sich die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) an. Die Unternehmen fürchten demnach, dass es problematisch werde, qualifizierte Mitarbeiter bis zur Regelaltersgrenze im Job zu halten.

Dieser Einschätzung widersprach jetzt der Vorsitzende des Sozialbeirats, Gert Wagner. Dem Handelsblatt zufolge rechnet der Ökonom beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nicht mit einer Frührentenwelle durch die geplante Rente mit 63. „Dort, wo wirklich Fachkräftemangel herrscht, werden sich die Firmen erfolgreich bemühen, qualifizierten älteren Beschäftigten so gute Bedingungen zu bieten, dass sie nicht in Rente gehen wollen.“

Belastungen in Milliardenhöhe
Neben einem verschärften Fachkräftemangel führt der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) aber auch an, dass die neuen Rentenregeln gut verdienende Facharbeiter bevorzugen. Frauen hingegen würden massiv benachteiligt werden, so die weitere Kritik an dem „dreisten Griff in die Sozialkassen“.

Das Rentenpaket belaste Steuerzahler, Rentenbeitragszahler und Rentner bis 2030 mit rund 230 Milliarden Euro, erklärt BVMW-Präsident Mario Ohoven. Die Hauptlast von etwa 100 Milliarden Euro trügen die heutigen und künftigen Beitragszahler, ohne Nutzen davon zu haben.

Rentenbeitrag steigt noch höher
Auch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) kritisiert das Rentenpaket der Bundesregierung aus ähnlichen Gründen. Es sei „nicht sachgerecht“ finanziert und führe dazu, „dass der Beitragssatz mittel- und langfristig höher und das Rentenniveau niedriger“ ausfallen würden als bei Fortbestehen des geltenden Rechts.

Das Bundeskabinett hat in der vorigen Woche die „Rentenwertbestimmungsverordnung 2014“ beschlossen. Sie sieht vor, dass die deutschen Rentner zum 1. Juli mehr Geld erhalten - um 1,67 Prozent steigen die Altersbezüge im Westen und um 2,53 Prozent im Osten.

Foto: Andrea Nahles, © Bundesministerium für Arbeit und Soziales

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