Diamanten: der neue Kapitalschutz?

Sachwerte von Rainer Kreuzer

Die Preise für Diamanten steigen seit Jahren. Wegen ihrer geringen Wertschwankungen machen sie dem Gold Konkurrenz. Doch für Privatanleger ist der Markt kaum durchschaubar.

In Zeiten niedriger Zinsen und fragiler Finanzmärkte suchen Vermögende nach sicheren Anlageobjekten. Das lange als Krisenwährung hochgelobte Gold hat seit seinem Höchststand im Herbst 2011 inzwischen rund 30 Prozent an Wert verloren. Die Preise für Diamanten hingegen steigen den veröffentlichen Zahlen zufolge rasanter an als je zuvor.

Das internationale Managementberatungsunternehmen Bain & Co. berichtet in seinem „Global Diamand Report 2013“ von zunehmender Kauflust vor allen in den USA, China, Japan und Indien. Die Preise für Rohdiamanten seien seit 2008 um jährlich 13 Prozent gestiegen und hätten das Vorkrisenniveau längst übertroffen. Aufgrund der knappen Förderkapazitäten sei mit weiter steigenden Preisen zu rechnen.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Stuttgarter Family Office Vertiva, Arnim Kogge, hat eine in der Vergangenheit stetige und stabile Wertentwicklung um durchschnittlich sechs Prozent jährlich beobachtet und rechnet ebenfalls mit einem anhaltenden Aufwärtstrend. „Weil es keine neuen Minen mehr gibt und der Nachschub ausbleibt“, argumentiert er. „Und es gab nicht so einen Hype wie beim Gold.“ Doch für Privatanleger seien die Steine „nur zur Beimischung“ geeignet. „Man muss sich schon sehr sicher sein, dass man die richtige Qualität kauft.“ Und danach könne man längst nicht so schnell handeln wie mit Wertpapieren.

Wie genau sich die Preise für die Edelsteine in der Vergangenheit entwickelt haben, lässt sich jedoch kaum transparent nachvollziehen. Die Diamantenbörse in Antwerpen veröffentlicht keine Kurse. Einblick in das Marktgeschehen erhalten nur registrierte Händler. Selbst verlässliche Richtwerte sind Mangelware, da die Steine sehr verschieden sind und ein Fixing wie etwa beim Gold nicht stattfindet.

Das Antwerp World Diamand Center hat in einem Preischart von 1960 bis 2014 eine fast dellenfreie  Verzehnfachung des Diamantenpreises rekonstruiert. Bain & Co hingegen verzeichnet in seiner  Grafik zum Zeitpunkt der Lehman-Pleite einen sehr deutlichen Drawdown. Auf welches der zahlreichen Segmente sich diese und andere veröffentlichten Zahlen jeweils beziehen, bleibt meist verborgen. Anders als beim Gold die Unze, ist die Maßzahl Karat bei Diamanten nur eine unter vielen. Die Steine lassen sich kaum auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

Vor einer Anlage in geschlossene Fonds, die in einer Lagerstelle Diamanten für ihre Anleger verwahren, rät Vertiva-Chef Kogge ab. „Ich weiß nie, was dahinter steckt“, sagt er skeptisch. Die Kosten für Gebühren minderten die Wertentwicklung. Und die Anleger könnten die Qualität der erworbenen Steine kaum überprüfen. Zertifikate und andere Börsenpapiere auf Diamanten gebe es nicht.

Foto: © boykung - Fotolia.com

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