„Der ureigene Gedanke ist ein Bildungsgedanke“

Berater Top News von Robert Krüger-Kassissa

Kaum gestartet, regt sich schon viel Widerstand an der Initiative „gut beraten“. Exklusiv auf procontra online nimmt Dr. Katharina Höhn, Hauptgeschäftsführerin des BWV, sehr ausführlich Stellung zu den vielen Kritikpunkten.

procontra: Das Akkreditierungsverfahren entscheidet darüber, wer zukünftig als Weiterbildungsträger fungieren darf. Wer entscheidet denn darüber, wer beziehungsweise welcher Vortrag diese Weiterbildungspunkte bekommt.

Dr. Katharina Höhn: Das sind zwei Fragen, die ich gerne beide beantworte. Zunächst: Die Initiative gut beraten entscheidet nicht darüber, wer als Weiterbildungsträger fungieren darf, weil gut beraten  eine freiwillige Initiative ist. Es wird kein Weiterbildungsanbieter durch diese Initiative in seinem Angebot eingeschränkt. Auch der Vermittler der bei gut beraten mitmacht, kann weiterhin jede Maßnahme auswählen, die seine persönlichen Kompetenzen weiterentwickelt. Das ist ja seine ureigene unternehmerische, selbstverantwortliche Aufgabe, insbesondere wenn er selbstständiger Vermittler ist. Ich denke, auch bei einem angestellten Vermittler – und bei Angestellten insgesamt – verlangt man eine gewisse unternehmerische Haltung und Selbstverantwortung für die eigene Bildung. Also, die Entscheidung über die persönliche Kompetenzentwicklung kann niemand jemandem abnehmen. Wir greifen mit der Initiative nicht in den Weiterbildungsmarkt ein. Es ist nun so: Wenn ein Weiterbildungsanbieter einen Bereich seines Angebots für bepunktungsfähig hält, und er möchte gerne bei gut beraten mitmachen, dann lässt er sich akkreditieren.

Und jetzt zum zweiten Teil der  Frage: Für welche Angebote gibt es im Rahmen dieser Initiative einen Punkt? Dazu möchte ich auf die Broschüre „Regeln für die Anrechnung von Bildungsmaßnahmen“ verweisen. Die steht auf unserer Homepage öffentlich zum Download zur Verfügung. Da kann jeder nachlesen, für welche Maßnahmen es im Rahmen dieser freiwilligen Initiative Punkte gibt. Diese Regeln haben wir unter Beteiligung von Bildungsprofis aller Trägerverbände, festgelegt. Also auch mit den Verbänden der Versicherungsvermittler, die beteiligt sind. Zudem hatten wir bei der Projektentwicklung auch eine wissenschaftliche Begleitung. Das war insgesamt ein großes Team von Leuten, die über einen Zeitraum von einem Jahr in 2013 diese Regeln entwickelt haben. Auch das Bundesinstitut für Berufsbildung war zur Beratung mit an Bord. Wir haben im Rahmen dieses Regelwerks großen Wert auf die Beantwortung der Frage gelegt: Wofür gibt es einen Punkt? Zum einen sind dies inhaltliche Kriterien, zum anderen auch Formalkriterien, die bei der Bewertung wichtig sind. Verantwortlich für die Bewertung der Bildungsangebote mit Punkten sind dann die Bildungsanbieter, die im Rahmen der Initiative die Akkreditierung erreicht haben. Und noch mal zu den inhaltlichen Anrechnungsregeln: Es ist entscheidend, dass alle Angebote diesen Regeln entsprechen müssen. Danach werden inhaltlich nur Angebote und Veranstaltungen anerkannt – so das Regelwerk –, die das Interesse des Kunden an Beratungsqualität oder Beratungsprozesse in den Mittelpunkt stellen.  Was die Formalkriterien angeht muss der Bildungsanbieter nachweisen können, dass der Vermittler an der Maßnahme tatsächlich teilgenommen hat, indem er seine Anwesenheit kontrolliert.

procontra: Akkreditierte Bildungsanbieter können dann also selbst für ihre Veranstaltungen Punkte vergeben?

Dr. Höhn: Die akkreditierten Bildungsanbieter haben in der Tat jetzt die Aufgabe, ihre eigenen Maßnahmen nach den Regeln zu bepunkten. Was ich zum Prozess der Akkreditierung noch erwähnen muss, ist, dass die Akkreditierung erstens abschließt mit einer vertraglichen Vereinbarung zwischen der Geschäftsstelle der Initiative und dem Bildungsdienstleister, die diesen darauf verpflichtet, die Anrechnungsregeln bei der Bepunktung zugrunde zu legen. Das ist das Vertrauen ex ante, denn accredere heißt ja „glauben schenken“. Im zweiten Schritt vereinbaren wir eine Überprüfung, mit der der Bildungsdienstleister sich vertraglich dazu verpflichtet, an einem Audit-Verfahren teilzunehmen, in dem wir dann ex post mit externen Auditoren, die wir vonseiten der Initiative schulen und zertifizieren, prüfen.  

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Foto: Dr. Katharina Höhn, © BWV

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