Makler muss nachfragen …

Berater Top News von Stephan Michaelis

Der Bundesgerichtshof stellt in seiner neuen Entscheidung vom 26.03.2014 sehr strenge Haftungsmaßstäbe für einen Versicherungsmakler auf (vgl. Urteil Az. IV ZR 422/12). Diese Entscheidung ist durchaus für jeden Makler lesenswert! Ein Rechtstipp von Stephan Michaelis

Der Fall:
Ein selbstständiger Ofenbaumeister sucht Versicherungsschutz für seine betriebliche Tätigkeit. Der Makler fertigt eine Deckungsnote für einen „Ofensetzer“. In einem weiteren Gespräch legt der Kunde dar, dass er auch Fliesenarbeiten ausführt. Auf der Deckungsnote wird ergänzt „inklusive zugehöriger Fliesenarbeiten“.

Es entsteht später ein Wasserschaden bei einem Kunden des „Ofensetzers“. Dieser hatte einen Pumpensumpf abgedichtet und eingefliest. Über Jahre hinweg hat sich eine Leckage gebildet, die den gesamten Keller unter dem Estrich ebenso diverse Wände und Fahrstuhlschächte durchnässt hatte.

Zu diesem gemeldeten Schadenereignis wurde von dem Versicherer die Deckung abgelehnt. Der Kunde hatte seinen Makler auf Feststellung in Anspruch genommen, dass der Makler Schadenersatz für den nicht gedeckten Versicherungsfall zu leisten habe.

Die Entscheidung:
Der Bundesgerichtshof hatte in seiner Entscheidung grundsätzlich die (Sachwalter-) Haftung des Versicherungsmaklers bestätigt. Insbesondere hält der Bundesgerichtshof an den Grundsätzen seiner Sachwalterentscheidung vollumfänglich fest. Darüber hinaus legt der Bundesgerichthof dar, dass der Versicherungsmakler eine Nachfragepflicht habe. Der Makler hätte selbst intensiv aufklären müssen, welche Art von Fliesenarbeiten durch den Ofensetzer ausgeführt werden und habe für den Umfang der tatsächlichen beruflichen Tätigkeit den passenden Versicherungsschutz auszuwählen.

Für den Versicherungsmakler ist es daher sehr wichtig nachzufragen, welche beruflichen Risiken bei dem Kunden vorhanden sind, die es zu versichern gilt! Diese Nachfragepflicht führt ansonsten immer zu einer Haftung des Versicherungsmaklers, wenn er die Risikoverhältnisse beim Kunden nicht umfassend aufgeklärt hat. Es ist also aufgrund dieser BGH Entscheidung für den Makler sehr wichtig, dass er eine genaue Risikoanalyse vornimmt und diese auch entsprechend dokumentiert!

Anderenfalls ist der Versicherungsmakler in der sogenannten „Quasideckung“ wie ein Versicherer. Der Versicherungsmakler hat den Zustand herzustellen, der bestünde, wenn er dem Kunden den richtigen Versicherungsschutz vermittelt hätte. Vorliegend hätten also ohne „Wenn und Aber“ auch die Fliesenarbeiten versichert sein müssen.

Schlussendlich stellt der Bundesgerichtshof noch fest, dass der Versicherungsmakler sich auch sehr dezidiert mit den Versicherungsbedingungen auseinanderzusetzen hat. Insbesondere hat der Versicherungsmakler sodann auch die Ein- und Ausschlüsse des Versicherungsschutzes zu prüfen, so dass der Kunde über den erforderlichen Versicherungsschutz verfügen muss.

Das Ergebnis:
Es verbleibt bei dem Grundsatz „Die Beratungspflichten des Versicherungsmaklers gehen weit“. Nach dieser aktuellen Entscheidung muss sogar der Versicherungsmakler sehr konkret nachfragen, welche Risikoverhältnisse beim Kunden vorhanden sind. Insbesondere muss er sodann auch die Versicherungsbedingungen prüfen, damit der Kunden den erforderlichen Versicherungsschutz erhält. Ansonsten ist der Makler die „Quasideckung“ seines Kunden für alle bei dem Beratungsgespräch erkennbaren Deckungslücken, die sich aus einem nur unzureichenden Versicherungsschutz ergeben können.

Foto: Stephan Michaelis, © Kanzlei Michaelis

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