Nettodruck erhöht sich

| Versicherungen | Top News von Stefan Terliesner

Thema des Monats LV: Die Diskussion um Provisionen reißt nicht ab. Ein breiteres Angebot an Nettopolicen könnte sie entschärfen. Doch dazu braucht es das Zutun der Anbieter.

„Makler und Vermittler haben einen Anspruch auf Nettopolicen.“ Diese Position vertritt Hans-Peter Schwintowski, Professor für Recht an der Humboldt-Universität in Berlin, auf dem Wissenschaftstag des Bundes der Versicherten am 10. April in Hamburg. Im Auditorium dürfte er mit seiner Meinung auf breite Zustimmung stoßen. Wohl auch bei vielen Maklern, denn Policen ohne Provisionen bieten neue Möglichkeiten.

Nettotarife, also Policen, deren Prämien frei von Provisionen sind, können diesen Kostenvorteil direkt auf die Leistungsseite transferieren (siehe Tabelle auf Seite 3). Im Gegenzug zahlt der Kunde ein Honorar. Im Bereich Leben liegt ein üblicher Stundensatz zwischen 100 und 200 Euro. Das schreckt viele Kunden ab. Auch deshalb führen Nettotarife ein Nischendasein.

Ihr Marktanteil dürfte laut Schwintowski zwischen 1,3 und 5,5 Prozent schwanken. Würde der Gesetzgeber ein Recht auf Nettotarife installieren oder durchsetzen, würde dies gewaltige Umwälzungen auslösen.

Verhaltene Bereitschaft bei Anbietern
In der Branche ist Schwintowski bekannt – und bei den Versicherern gefürchtet. Vielen gilt er als „Querkopf“. Eine Art „Professor aus Berlin“. Aber in der Sache hat er schon mal Recht behalten. So auch beim Provisionsabgabeverbot, das zumindest im Fall des Fondsvermittlers AVL seit Oktober 2011 keines mehr ist.

Damals hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main dem Vermittler die Rückgabe von Provisionen bei zwei Fondspolicen erlaubt. Für Schwintowski gab es das Verbot nie. Und jetzt reist er durch die Republik und verkündet ein Recht auf Nettotarife.

Mit dieser Position konfrontiert, stellen manche Anbieter auf stur. Axa etwa möchte sich an der Diskussion über dieses Thema nicht beteiligen. Bei Allianz sagt Pressesprecherin Barbara Wolf nur: „Nettotarife gehören nicht zum Geschäftsmodell.“ Und bezüglich der Äußerungen von Schwintowski sei der Branchenverband zuständig.

Der GDV lehnt eine staatlich verordnete Einführung von Nettotarifen ab. Dem Vernehmen nach lässt er derzeit ein Gutachten zum Thema erstellen. Und Svenja Richartz, Syndikus beim Verband Deutscher Versicherungsmakler, sieht „Probleme mit Blick auf Artikel 12, 14 GG, sofern Versicherer gesetzlich zum Anbieten von Nettotarifen verpflichtet würden.“

Illustration: Eleonora Mavromati

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