Warentest korrigiert Versicherungscheck nicht

| Versicherungen | Berater | Top News von Markus Rieksmeier

Trotz begründeter Kritik ändert die Stiftung Warentest ihren „Versicherungscheck“ nicht. Nach wie vor wird auch Selbständigen eine Riester-Rente empfohlen. Empfehlungen zum Todesfallschutz könnten Existenzen gefährden.

In der vergangenen Woche hatte procontra in einem ersten Bericht erste fachliche Kritik an dem Online-„Versicherungscheck“ der Stiftung Warentest geübt. Vor allem, weil die Stiftung auch Selbständigen zur Riester-Rente rät („sehr zu empfehlen“). Alleinstehende Selbständige erhalten auch beim Klick auf „Mehr Details“ keinen Hinweis, dass sie nicht riestern dürfen; korrekter: keine Riester-Zulagen bekommen. Die Ausnahme, dass zumindest versicherungspflichtige Selbständige riestern können, wird nicht genannt.

In den Riester-„Details“ bei verheirateten Selbständigen erscheint dieser Hinweis:

„Wenn Sie keinen direkten Anspruch auf Riester-Förderung haben, weil Sie zum Beispiel nicht rentenversicherungspflichtiger Freiberufler sind oder Hausfrau- oder -mann, können Sie dennoch riestern und die staatlichen Förderungen nutzen, wenn Sie mit einem Riester-Förderberechtigten verheiratet oder verpartnert sind. Voraussetzung ist nur, dass Ihr Partner selbst auch riestert“.

Am Montag-Vormittag war der „Versicherungscheck“ eine Weile offline. Deswegen fragte procontra bei der Stiftung Warentest an, ob sie ihren Check unter anderem wegen Riester überarbeite. Bisher ist die Anfrage unbeantwortet.

Todesfallschutz überflüssig?
Wer als Verheirateter mit Kind bei dem „Versicherungscheck“ als vorhandene Police lediglich eine Kapitallebensversicherung angibt, erhält als Empfehlung „überflüssig“. Begründet wird dies mit hohen Kosten und mäßigen Renditen. Auf die, im Beispiel einzig vorhandene, Sicherungsfunktion des Todesfallschutzes einer Kapital-LV geht die Stiftung nicht ein. Wenigstens den logischen Hinweis oder eine Einschränkung, den Todesfallschutz zuvor in eine reine Risikopolice auszulagern, bleibt die Stiftung Warentest schuldig.

Stattdessen heißt es im letzten Schritt des „Versicherungsscheck“, eine Kapital-LV sei „weder als Sparanlage noch als Todesfallschutz brauchbar“! Ohne das pflichtgemäße Angebot eines separaten, ersetzenden Risikoschutzes wäre jeder Finanzberater spätestens jetzt haftbar. Nicht die Stiftung Warentest: Sie fügt unter der der Überschrift „Unser Rat“ poetisch an: „Für vieles gibt es den richtigen Zeitpunkt – auch für die Kündigung einer verzichtbaren Police. Sodann liefert ein Klick die „Musterkündigung“.

Grobe fachliche Mängel
Formularmäßige Kündigungen oder Entwürfe sind Versicherungs-Vermittlern verboten. Die Stiftung Warentest, die sich als Verbraucherschützer sieht, darf offenbar Texthilfen geben. In diesem Falle ist das Handeln der Stiftung schon nahe am Vermögensschaden, weil eine Aufforderung zur Kündigung - wenn es so gewertet würde - auch und besonders des Todesfallschutzes den Angehörigen des Verbrauchers eine existenzielle Sicherheit entzöge.

Ferner empfiehlt die Stiftung Warentest in ihrem Check, eine bestehende Kapital-LV solle man „nicht kündigen“, weil der Rückkauf „meist mit großen Nachteilen verbunden“ ist: „Stellen Sie Ihren Vertrag besser beitragsfrei, falls Ihnen die Beiträge zu viel werden“. Das ist fachlich falsch: Auch bei einer Beitragsfreistellungen sind die Verluste einer Kündigung bereits eingetreten. Deckungskapital minus Stornoabzug = Rückkaufswert. Dieser wird bei Kündigung ausgezahlt. Auch diesen Sachverhalt hat procontra bei der Stiftung angefragt. Bisher ohne Antwort.

„Wer prüft die Prüfer?“
Bei der Beitragsfreistellung wird aus dem Rückkaufswert, also dem technischen Ergebnis einer Kündigung, die „beitragsfreie Versicherungssumme“ errechnet. Welcher Experte berät die Stiftung? Auch Justizminister Heiko Maas (SPD) hatte kürzlich gefragt: „Wer prüft die Prüfer?“ Ferner kündigte der Minister einen Verbraucherrat an, „ein Gremium, das sich mit Fragen der Zertifizierung von Test, der Kontrolle, der Einführung eines Vier-Augen-Prinzips beschäftigen soll“.

Foto: Screenshot test.de

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