Roß verlässt Talanx - in Richtung Heidelberg?

| Versicherungen | Top News von Markus Rieksmeier

Nach Presseinformationen legt Heinz-Peter Roß seinen Job als Vorstands-Chef der Talanx Deutschland nieder. Spekuliert wird über einen Wechsel zur Heidelberger Leben. Aus dem kleinen Versicherer könnte eine große LV-Abwicklungs-Plattform werden.

Ist das nur eine Personalie oder ein Paukenschlag? Nach Informationen des Branchendienstes „Versicherungsmonitor“ wird Roß „spätestens Mitte des Jahres“ die Talanx verlassen. Zugleich berichtet der Dienst von „Spekulationen“ über einen Wechsel Roß‘ zur Heidelberger Leben. Entweder wäre der Wechsel von Heinz-Peter Roß von der Spitze der großen Talanx zur kleinen Heidelberger Leben ein Karriereknick - oder die Umsetzung eines Großen Plans.

Angesichts inzwischen bedenklich hoher Lasten und niedriger Zinsen werden in der gesamten Lebensversicherungs-Branche Vorkehrungen zur Abwicklung (Run-Off) von LV-Beständen oder ganzen Versicherern getroffen. Die Heidelberger Leben wird gerade vom Erstversicherer zur Abwicklungsplattform umgebaut. Nach Übernahme des Unternehmens durch die Hannover Rück und Finanzinvestor Cinven entsteht dadurch ein neues Geschäftsfeld – erst nötig geworden durch die anhaltende Zinskrise, die an die Substanz der Lebensversicherer geht.

Auch die BaFin erwartet Run-Offs
Das Run-Off Angebot ist also da. Und die Nachfrage? Niemand geringeres als Felix Hufeld, Versicherungs-Oberaufseher der BaFin, kündigte vor knapp einem Monat „Tabu-Brüche“ an, es werde „Marktaustritte“ geben – also Run-Offs. Die Aufsicht müsse diesen Neugeschäfts-Stopp und die Abwicklung der Bestände „vernünftig organisieren“. Mit anderen Worten und ohne Interpretation: Die BaFin erwartet eine Ausdünnung des LV-Marktes.

Inzwischen haben sich das durchschnittliche Garantieniveau der Versicherer und der Referenzzins marktweit auf etwa 3,15 Prozent angeglichen. Wegen des weiter sinkenden Referenzzinses (jeweils die Umlaufrendite der vergangenen zehn Jahre) kommt die Branche strukturell auf Unterdeckungen. Die hierfür zu stellenden Zusatzreserven schätzte Felix Hufeld kürzlich auf mindestens 10 Milliarden Euro allein für dieses Jahr.

Protektor könnte erlöst werden
Soweit zu den Angaben des gesamten Marktes. Auf einzelne Lebensversicherer bezogen bedeutet das, einige sind besser, andere schlechter finanziert. Letztere könnten bald ihr Geschäft ganz oder in Teilen aufgeben: das ist der Markt für die Heidelberger. Schon jetzt sind mit der Victoria, der ehemaligen Bayerischen Beamten oder der Delta Lloyd (ex-Berlinische Leben) große LV-Bestände im Run-Off. Auch der ruhende Bestand der Skandia käme in Betracht. Die hat zwar „nur“ Fondspolicen und weniger eigentliche Garantien am Bein, aber die Verwaltung kostet.

Auch ein anderer Bestand könnte zur Disposition stehen. Zurzeit verwaltet Protektor als Sicherungseinrichtung der deutschen Versicherer den Bestand der ehemaligen Mannheimer Leben. Zumindest perspektivisch könnte die Heidelberger Leben als Groß-Abwickler den Protektor-Bestand zu günstigeren Verwaltungskosten übernehmen. Alle Run-Off-Bestände zusammengefasst ermöglichten die Nutzung von Skaleneffekten. Nun fehlt dem (vorläufig vermuteten) Großen Plan der Heidelberger nur noch ein zugkräftiger Name: Heinz-Peter Roß?

Foto: Dr. Heinz-Peter Roß, © Talanx AG

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