Plädoyer für einen ernst gemeinten Kodex

Berater Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Wenn Versicherer Vertrauen zurück gewinnen wollen, dann genügen keine Allgemeinplätze. Versicherungsmakler Matthias Helberg positioniert sich mit einem „Verhaltenskodex für verbraucherorientierte Versicherer“ - gegen den GDV-Kodex.

Von einem „ramponierten Image“ der Versicherer spricht der Osnabrücker Versicherungsmakler Matthias Helberg, weswegen die Versicherer gerade einem Makler wie ihm - und anderen - den GDV-Kodex „auf’s Auge drücken will“. Er sieht die Versicherer in der Defensive. Diese klammerten sich angesichts von Dauer-Diskussionen etwa um Rückkaufswerte, Entschädigungen oder Bewertungsreserven „an die Hoffnung, mit ein paar Allgemeinplätzen verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen“.

Gegen-Kodex
Helberg lehnt den GDV-Kodex ab und hat dies kürzlich auch offiziell gegenüber der Allianz, die den GDV-Kodex vertraglich einforderte, kundgetan. Anstatt den GDV-Kodex weiter inhaltlich zu behandeln, legt Makler Helberg nun einen eigenen Kodex auf, den er am Dienstag auf seinen Internetseiten präsentierte. Es sei ein „Verhaltenskodex für verbraucherorientierte Versicherer“. Auffällig ist der Verzicht auf eine Begrenzung hinsichtlich Vertrieb (Der Kodex ist unten dokumentiert).

Versicherungsleistungen sind Gegenleistungen zur Beitragszahlung
Die Versicherer werden „so einiges zu ändern haben. Worten werden Taten folgen müssen“, schreibt Helberg und bezeichnet seinen Kodex als Vorschlag. „Sicherlich – ganz unjuristisch formuliert. Eben so, dass Verbraucher es verstehen können“. Schließlich gehe es um deren Vertrauen. In der Tat können Verbraucher den Text des aktuellen GDV-Kodex nur schwer verstehen; so ist zum Beispiel, neben den eher juristischen Formulierungen selbst, der Begriff „Compliance“ weder erklärt, noch übersetzt.

Klartext
Auch können im gegenwärtigen Kodex nur Juristen den Passus zum Wirtschaftsprüfer-Testat verstehen. Helberg schreibt Klartext; sein Kodex passt auf eine Seite. Versicherungsleistungen im Schadenfall, formuliert er ein Selbstverständnis der Versicherer, „fassen wir als Gegenleistung zur Beitragszahlung“ auf. Bei der Beratungsdokumentation sei auf „sinnentleerte Ankreuz-Protokolle“ zu verzichten.

Beschwerde- und Sanktionsstelle
Helberg fordert (in seinem Kodex) marktweit Nettotarife, mit denen Makler eine „Eigenkalkulation ihrer Vergütung“ vornehmen können. Auch eine Beschwerdestelle sieht der "verbraucherorientierte" Kodex vor: „Wer der Meinung ist, dass wir [die Versicherer; Anmerkung der Redaktion] gegen diesen Kodex verstoßen, kann sich bei einer Beschwerdestelle (Versicherungs-Ombudsmann) beschweren“. Diese Stelle solle, so Helbergs Entwurf, auch „Sanktionen in Abhängigkeit von der Schwere“ verhängen können.
"Mein Kodex-Entwurf enttarnt den jetzt von Versicherern wie der Allianz propagierten GDV-Kodex als das, was er ist: Eine leere Worthülse mit maximalem Spielraum für die Versicherer. Damit gewinnt man kein Vertrauen zurück - was ja Ziel des GDV-Kodex sein sollte", kommentiert Helberg gegenüber procontra.

Seite 1: Plädoyer für einen ernst gemeinten Kodex
Seite 2: Verhaltenskodex für verbraucherorientierte Versicherer

Foto: © Butch - Fotolia.com

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare