Die Stiftung Warentest, die FAZ und die Transparenz

| Panorama | Top News von Markus Rieksmeier

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gibt Wissenschaftler Andreas Oehler der Stiftung Warentest ein „gut“. Dass der Professor auch Verwaltungsrats-Vorsitzender der Stiftung ist, erfährt der Leser nicht. Ökotest-Kritik löscht die Zeitung.

Vor dem Hintergrund aktueller Kritik am ADAC oder der Stiftung Warentest („Ritter Sport“-Urteil) hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) darlegen lassen, wie man Testorganisationen vergleichen kann, denn: „Eine Kontrolle der Kontrolleure findet nicht statt“, konstatiert das Blatt und nennt Institutionen wie den TÜV oder die Zeitschriften „Ökotest“ und „Guter Rat“. Als Fachmann kommt der Bamberger Finanzwissenschaftler Prof. Andreas Oehler zu Wort:

„Drei Prüfkriterien“ habe Oehler für den Vergleich von Testorganisationen aufgestellt. Dies seien „Identifizierung, Verifizierung und Relevanz“, die in dem Beitrag näher erläutert werden. Kurz zusammengefasst, geht es darum, ob eine Testorganisation erstens transparent ist, etwa bei ihrer Finanzierung, ob Tests zweitens technisch sachgerecht und letztlich drittens auch sachgerecht dokumentiert sind.

„Oehler ist kein unabhängiger Experte“
Zu Testorganisationen merkt die FAZ an, deren „Unabhängigkeit steht in Frage“ und zitiert sodann – mitten in der Darstellung von Oehlers drei „Prüfkriterien“ - den Vorstand der Stiftung Warentest, Hubertus Primus: „Werbeerlöse jeglicher Art gibt es bei uns nicht“. Anschließend urteilt Prof. Oehler: „Wenn man die drei Kriterien zusammennimmt, dann ist die Stiftung Warentest am ehesten diejenige, bei der grundsätzlich alle Kriterien erfüllt sind“. Zu dieser Aussage Oehlers schreibt Jürgen Stellpflug, Chefredakteur von „Ökotest“, in einem Kommentar an die FAZ: „Was Sie Ihren Lesern verschweigen: Andreas Oehler ist keineswegs ein unabhängiger Experte, sondern Verwaltungsrats-Vorsitzender der Stiftung Warentest. So viel zum Thema Transparenz“. Stellpflugs Kritik wurde von der Internetseite der FAZ gelöscht, wie er gegenüber procontra bestätigt (procontra hat den gelöschten Kommentar dokumentiert). Hat die FAZ möglicherweise nicht gewusst, dass Prof. Oehler zugleich dem Verwaltungsrat der Stiftung Warentest vorsteht?

Oehlers Funktion bei Stiftung Warentest war der FAZ bekannt
FAZ-Autorin Nadine Oberhuber schreibt procontra: „ja, das war mir bekannt“ und „natürlich ist das relevant“. Auch auf Nachfrage begründete Oberhuber nicht, warum der Hinweis auf Oehlers Funktion bei der Stiftung unterblieb. Prof. Oehler hat auf eine procontra-Anfrage nicht geantwortet. Transparent, also mit (unterbliebener) Nennung seiner Funktion bei der Stiftung, wäre es sicherlich nicht zu beanstanden, wenn der Wissenschaftler und Verwaltungsrats-Vorsitzende ebendieser Stiftung (mit Argumenten) ein „gut“ attestiert.

„Gut“, mit dieser Schulnote übersetzte „Ökotest“-Chef Stellpflug Oehlers Votum für die Stiftung Warentest. „Ökotest“ selbst habe in einem anderen, zwei Tage später erschienenen, FAZ-Beitrag vom 27. Januar nur ein „noch gut“ bekommen, schrieb Stellpflug in dem (gelöschten) Kommentar an die FAZ. Dafür habe ihn die Zeitung ohne Autorisierung mit einem „ausdrücklich off the records“ gesagten Satz zitiert, sagt Stellpflug. Dabei ging es ausgerechnet um einen Satz, „der als – von mir nicht gewollter - Angriff auf die Stiftung Warentest verstanden“ werden könnte.

Zumindest ein kritischer Hinweis ist nach wie vor auf den FAZ-Kommentaren zu lesen: Es ist der Berliner Versicherungsmakler Matthias Glesel, der zur Person Prof. Oehlers von einem „vermeintlich unbefangenen Dritten“ spricht und sagt: „Das ist ein journalistischer Fauxpas“.

Foto: Werbeplakat am Berliner Hauptbahnhof, @ Stiftung Warentest

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